1. Wie wir unsere Ängste loswerden
Wenn ich mir anschaue, was die Menschen heute am meisten beschäftigt, sind es vor allem Ängste vor dem Verlust ihres alten Lebens und auch vor dem Aufbruch in ein neues Leben. Sie erzählen sich Geschichten über Scheitern, Einsamkeit und Orientierungslosigkeit. Sie merken oft, dass sich die alte Welt, die uns Sicherheit gegeben hat, langsam in Luft auflöst. Meine Klienten erkennen zum Anfang meist nicht, dass das Einzige, das ihnen in dieser sich verändernden Welt Sicherheit geben kann, paradoxerweise der Aufbruch das Unbekannte ist. Die Welt empfängt durch unser Leben Sinn. Sie besitzt den Sinn, den wir so oft in ihr suchen, nicht unabhängig von uns. Darum habe ich für die Beschreibung meiner Arbeit dieses Märchen vom Eisenhans ausgesucht, das vom Aufbruch in ein neues Leben handelt. Es zeigt wunderbar die verschiedenen Phasen, die wir durchlaufen, bevor wir auf einer neuen Ebene unserer Existenz angekommen sind.
Ich habe in meinen Erläuterungen zwei Ebenen beschrieben. Wir können das Märchen einmal als die Beschreibung eines kosmischen Schöpfungszyklus verstehen. Es erzählt, wie die Kinder der Schöpfung sich in diese Welt ausdehnen und nach mehreren Phasen wieder mit den Erfahrungen dieser Welt zur Quelle der Schöpfung zurückkehren. Diese Sicht wird auch im gnostischen “Lied von der Perle” oder der Geschichte vom verlorenen Sohn aus dem Neuen Testament beschrieben.
Zweitens können wir das Märchen als die Beschreibung eines Aufbruchs in ein neues Leben auf der menschlichen Ebene verstehen. Es hat mich viele Dinge gelehrt. Man muss sich der inneren tiefenpsychologischen Logik der Geschichte ausliefern, um auf der seelischen Ebene Dinge zu lernen, die sonst vielleicht viele Erlebnisse, Schmerzen oder gar ein Leben erfordern. Das Hauptthema bleibt der Aufbruch und wir hoffen, dass wir jedem Suchenden damit Mut zum nächsten Schritt machen.
Schauen wir, was uns das Märchen zu sagen hat.
1. Die Stille
Meditation: Lass dich in die Stille sinken und lade die Bereiche deines Lebens ein, die wie tote Zone wirken, weil du dich nicht auf sie einlassen möchtest.
Es war einmal ein König, der hatte einen großen Wald, der hinter seinem Schloss lag, und es war seine Lust darin zu jagen. Es begab sich einmal dass einer seiner Jäger in den Wald ging und am Abend nicht wieder kam. Den andern Tag schickte der König zwei Jäger aus, die sollten ihn suchen, aber die kamen auch nicht zurück. Da befahl er, dass alle seine Jäger sich aufmachen und durch den ganzen Wald streifen sollten, aber auch von diesen kam keiner wieder heim, und auch von der ganzen Meute der Hunde kam keiner zurückgelaufen. Da ging das Gebot aus dass niemand mehr in den Wald sich wagen sollte. Von nun an lag er da in tiefer Stille und Einsamkeit, und man sah nur zuweilen einen Adler oder Habicht darüber hin fliegen.
Das Märchen fängt damit an von einer toten Zone zu erzählen, die sich irgendwo in der Welt auftut. Wenn wir uns die zu Grunde liegenden Muster anschauen, können wir so tief gehen, wie wir wollen. Denn die ist eine archetypische Geschichte. Wir können dieses Märchen als eine Landkarte für den gesamten Zyklus eines Universums sehen oder als eine Landkarte unserer Welt, wie es jetzt ist. Und damit auch für unser persönliches Leben. Es gibt zu allem in dieser Geschichte, wie gesagt, eine kosmische und eine persönliche Seite.
Die kosmische Ebene können wir als die Stille vor dem Sturm bezeichnen, also die Zeit vor dem Urknall oder auch vor dem Fall, bevor Adam und Eva das Paradies verspielten.
Auf der menschlichen Geschichte ist es die Zeit, in der das alte Leben noch in Ordnung ist. Hollywood-Filme laufen oft nach diesem Muster ab: Der Held wird zuerst in seinem alten Leben gezeigt, bevor dieses durch ein Ereignis zerstört wird und er sich auf den Weg machen muss, um die alte Harmonie auf einer neuen Ebene wiederherzustellen. Diese Idylle bestand in unserer Geschichte vor dem Auftauchen des unsichtbaren Ungeheuers. Alles war in Ordnung, die Wälder waren sicher und Frieden lag auf dem Land. Dann fiel ein Schatten auf das Land.
Dann haben wir plötzlich eine Gegend, in die man nicht hineinschauen kann. Der stille Wald, der alle Jäger und Hunde verschlungen hat, wirkt wie ein schwarzes Loch, das irgendwo da draußen in der Dunkelheit auf Beute lauert. Was hat das mit unserem Leben zu tun? Solche Tabuzonen haben fast jede Familie und Gemeinschaft. Auch jedes Individuum hat Dinge, über die es nicht gern nachdenkt. Es geht hier um eine gefährliche Gegend in unserer Psyche, die man besser nicht betritt. Als wir heranwuchsen, haben wir uns von Zonen unserer Psyche abgewendet. Dies geschah schon im frühen Alter und war ein Verrat an uns selbst. Um zur Welt der Erwachsenen dazugehören zu können, mussten wir die allzu wilden oder schamlosen Teile unserer Selbst abspalten und in das dunkle Reich des Vergessens schieben. Erst als wir genügend „tot“ waren, erst als die quirlige Lebendigkeit uns verlassen hatte, passten wir in die Systeme unserer Familien und Schulen.
Um in der Welt, in der wir leben, unsere Seele wiederzufinden, müssen wir uns auf den Weg machen. Die Geschichte beschreibt, wie wir bereit für eine erfolgreiche Reise werden.
2. Der furchtlose Jäger
Meditation: Stelle dir eine Szene aus deiner Kindheit vor, in der du Angst hattest. Frage das Kind, das du damals warst, was es sich in dieser Situation am meisten wünscht. Wenn es sich etwas wünscht, wie Sicherheit, Liebe oder Frieden, mache diese Dinge wahr für es. Frage es, wie es sich fühlt, wenn es von diesen Energien sicher umhüllt wird.”
Das dauerte lange Zeit, da meldete sich ein fremder Jäger bei dem König, bat um eine Versorgung und sagte: er wäre bereit in den gefährlichen Wald zu gehen. Der König wollte seine Einwilligung nicht geben und sprach „ich fürchte es geht dir nicht besser als den andern, und kommst nicht wieder heraus.“ Der Jäger antwortete: „Herr, ich will es auf meine Gefahr wagen: von Furcht weiß ich nichts.“
Warum traut sich jemand in die Mitte der Gefahr? Es gibt immer wieder Menschen, die sich aus Entdeckerdrang ins Unbekannte hineinwagen. Letztlich ist es unser Bewusstsein selbst, das alle dunklen Ecken in der Welt erleuchten will. So handelte auch der portugiesische König Heinrich der Seefahrer, der die Sage nicht mehr als wahr akzeptierte, dass es an der Küste Westafrikas gefährliche Seeungeheuer geben sollte, die alle Schiffe verschlangen, die von Europa aus weiter nach Süden vordringen wollten. Er fand einen mutigen Kapitän, den er in diese Gegend schickte, nur um nachzuschauen, ob das wahr sei.
Dieser Kapitän besaß eine tapfere Mannschaft, die das erste Mal nach vielen Hundert Jahren mit einem europäischen Schiff an diese so gefürchtete Stelle zu fahren bereit war. Alles, was sie sahen, waren die endlosen afrikanischen Strände und das bewaldete Hinterland mit all seinen unentdeckten Schätzen, dunklen Menschen und unbekannten Gefahren. Damit änderte sich die ganze Sichtweise der Europäer. Plötzlich wartete die ganze Welt darauf, entdeckt zu werden. Der Weg nach Indien war frei. Dieser nicht existente Drache symbolisierte nur die Angst des mittelalterlichen Europas vor der Welt und dem Bösen, das sich an den Enden seines Einflussbereiches verstecken sollte. Mit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus und des Seeweges nach Indien durch Vasco da Gama war der Weg in die Neuzeit frei, worin dem Entdeckerdrang keine Grenzen mehr gesetzt war, bis alles im Äußeren entdeckt war, und wir wieder auf das weite Meer unserer Innenwelt zurückgeworfen wurden.
Der Jäger in unserer Geschichte setzt sein Leben ein, um Licht in das Dunkel zu bringen. Während die tote oder verbotene Zone sich auch in der äußeren Welt befindet, wagt sich der Jäger in die Welt der Träume und Mythen. Und ein jeder von uns ist eingeladen ihm zu folgen, denn niemand erforscht das Unbekannte unserer Seele für uns. Wir haben vielleicht Angst den Verstand zu verlieren, wenn wir zu tief gehen und auf die eigentlichen Ungeheuer stoßen. Darum ist es wichtig eine Landkarte der Seele zu haben, wie sie uns zum Beispiel die Kabbala oder Geschichten wie diese zeigen. Ich werde den Weg meiner Klienten und Freunde in die Selbstverwirklichung mit Hilfe dieser Landkarten aufzeigen, so dass auch der Leser ihnen folgen kann.
Wenn es für meine Klienten an der Zeit ist, ihr Leben zu ändern, dann zeigt sich dies meist an toten Zonen in ihrem Leben, die sich langsam ausbreiten. Mit alten Methoden können sie nicht zurückgedrängt werden. Es braucht etwas ganz Neues, das noch jenseits der Vorstellungskraft liegt. Das Neue liegt also außerhalb des Systems. Das sieht man besonders am Eisenhans. Es gibt eine Reihe solcher Chaoten, Narren und Figuren, die alles durcheinanderwerfen, um den neuen Raum zu schaffen. Dazu gehören auch Till Eulenspiegel, Jesus, Krishna, Buddha und viele andere. Es fällt auch auf, dass in unserer Geschichte vom Eisenhans alle verfügbaren Kräfte gesammelt werden, um die nötige Energie für den Aufbruch aufzubringen. So müssen auch meine Klienten bereit sein, ihre Seelenanteile aus der Vergangenheit zurückzuholen zu lassen. Wer mit dem Lebensbaum der Kabbala arbeitet ,erkennt, von wo die Energie herabfließt, die jetzt gebraucht wird. Damit kann der Coach einen neuen Lebensbaum für den Klienten pflanzen und gleichzeitig des alten zerstören, so dass es möglich ist, das Leben in ein paar Sessionen zu verwandeln.
Es gibt oft eine Zuversicht in den Märchen, dass dem Unschuldigen nichts zustoßen kann, während diejenigen, die aus Eigennutz und Habgier handeln, scheitern. Dieser Jäger kommt, um zu helfen und danach zieht er von dannen, um woanders zu helfen. Solche wie er sind heilige Narren, weil sie darauf bestehen, dass die eigentlichen Schätze des Lebens nicht in der äußeren Welt zu finden sind, wie uns in den Medien vorgegaukelt wird. Der eigentliche Schatz liegt in unserem Herz-Geist und ist dieser Geist.
Der Rebell, der in die innere Verbotszone geht, ist der Türöffner für unsere Reise. Was er tut, ist nur ein Beispiel für das, was wir alle am Beginn unserer Reise nach innen tun müssen. Der Ungehorsam den Konventionen dieser Welt gegenüber kann viele Formen annehmen. Vielleicht sagt er “nein”, wo er zuvor immer “ja” gesagt hat. Vielleicht hält er sich nicht an die Verhaltensregeln der Familie. Er mag dem großen Bruder oder dem Chef den Gehorsam verweigern und damit wieder den aufrechten Gang der Selbstachtung erlernen. Dieser Mut ist notwendig, um auch auf die eigene dunkle Seite zu schauen. Solange wir den Schatten nur bei anderen suchen, werden wir viele Fehler finden, aber uns selbst nicht befreien. Der verbotene Wald, in den es bei unserem Abenteuer zu gehen gilt, ist die eigene Psyche, das Meer der Seele.
Ich lasse meine Klienten sich auf das Symptom konzentrieren und es fragen: “Was willst du?” und “Wie alt bist du?”. Dann tritt oft ein kleines Kind hervor, das Sicherheit, Liebe und Aufmerksamkeit sucht. Mit diesem Kind können wir arbeiten. Schauen wir, wen der Jäger im Walt trifft.
„Der Jäger begab sich also mit seinem Hund in den Wald. Es dauerte nicht lange, so geriet der Hund einem Wild auf die Fährte und wollte hinter ihm her: kaum aber war er ein paar Schritte gelaufen, so ward er durch einen tiefen Pfuhl aufgehalten und ein nackter Arm streckte sich aus dem Wasser, packte ihn und zog ihn hinab. Als der Jäger das sah, ging er zurück und holte drei Männer, die mussten mit Eimern kommen und das Wasser ausschöpfen. Als sie auf den Grund sehen konnten, so lag da ein wilder Mann, der braun am Leib war, wie rostiges Eisen, und dem die Haare über das Gesicht bis zu den Knien herab hingen. Sie banden ihn mit Stricken und führten ihn fort, der König aber ließ ihn in einen großen eisernen Käfig auf seinen Hof setzen und verbot bei Lebensstrafe die Türe des Käfigs zu öffnen und die Königin musste den Schlüssel selbst in Verwahrung nehmen. Von nun an konnte ein jeder wieder mit Sicherheit in den Wald gehen.
Die Jagd nach dem Monster verlief erstaunlich glatt. Diesmal hat es nur einem Hund das Leben gekostet. Dort wo zuvor eine ganze Kohorte von Jägern spurlos verschwunden war, können drei Männer jetzt den Pfuhl unbehelligt ausschöpfen und den wilden Mann auf dem Grunde liegen sehen, ohne dass der sie angriff. Es ist ein furchtloser Blick in das Innere der eigenen Seele, in die eigene Schattenwelt aus verdrängten Gefühlen, Erinnerungen und Fantasien, die es dem Jäger erlaubt, den inneren Ungeheuern zu begegnen. Der wilde Mann wird gefangen und zum Schloss gebracht und dort in einen Käfig gesperrt. Damit ist die unbewusste Energie, die den Wald in ihren Bann gezogen hatte, wieder unter Kontrolle gebracht worden. Die Mutter hat jetzt den Schlüssel zum Käfig des Eisenhans. Frauen besitzen meist eine höhere emotionale Intelligenz als die Männer. Aber Untersuchungen zeigen auch, dass Mütter oft nicht wollen, dass ihre Söhne diese Intuition entwickeln. Blockierte Männer sind leichter zu kontrollieren. Vor allem Männer, die ihre eigene Wildheit nicht integriert haben.
Frauen wissen besser, wie man andere kontrolliert und manipuliert, als Männer. Sie können ein ganzes Familiensystem mit einem Seufzer unter der Decke des Tabus halten, während der traditionelle Mann mit Gewalt drohen muss, um das Gleiche zu tun. Der Jäger hat zwar den Wald befreit, aber nicht den Königssohn, um den es in unserer Geschichte geht. Dessen Reise beginnt gerade erst. Die ganze Aktion der Gefangennahme des Eisenhans hat noch nichts mit Befreiung und Integration zu tun. Es ist nur eine Art Burgfrieden geschlossen worden. Scheinbar hat sich die verbotene Zone jetzt zu einem Käfig verkleinert, aber solche Veränderungen bedeuten nicht viel im Bereich des Geistes. Die emotionale Ladung des verdrängten Materials ist in unserem Falle hoch, denn es wird durch einen wilden Mann symbolisiert. Dieser Eisenmann kann für verschiedene Dinge stehen. Er kann den männlichen Körper symbolisieren, dessen sexuelle Kraft gerade erwacht. Diese wird ins Sichtbare gehoben, muss aber noch gelenkt und befreit werden, wenn sie nicht alles durcheinanderwerfen soll. Er kann aber auch die Gesamtheit des Schattens symbolisieren, den gesamten Bereich des Geistes, dessen wir nicht bewusst sind. Es ist dieses Numinose, das Unbekannte aus der Tiefe der Seele, das uns Grauen einflößt. Dieses Unbewusste trennt uns von der Quelle und dem Rest des Universums. Haben wir den Eisenhans integriert, ist unser Geist heil und ganz und ist frei, um das innere Licht in die Welt auszudehnen. Damit das geschieht, muss zuerst etwas schiefgehen, damit der Held seine Komfortzone verlässt, wie wir es in jedem guten Kinofilm noch heute sehen. Und wie* es so ist im Märchen, wenn etwas schiefgehen kann, so geht es auch schief. Das war schon in der Geschichte von der Paradiesvertreibung so.
Wenn wir in unserem Coaching den Problemen auf den Grund gehen wollen, müssen wir nicht lange suchen. Wir nennen es auf körperlicher Ebene ein Syntom. Mit diesem spricht die Seele zu uns. In unserer Epoche ist es die Seelenlosigkeit und die Veräußerlichung unseres Lebens. Wir verbringen immer mehr Zeit vor dem Bildschirm anstatt einander ins Gesicht zu schauen. Der Eisenhans ist für alle sichtbar im Hof eingesperrt, aber wir fragen nicht, was er uns zu sagen hat. Jedes Syntom, das wir im Körper spüren, kann uns den Weg zurück zur Quelle zeigen. Wir müssen nur wissen, welche Frage wir stellen müssen, um diesem Pfad zu folgen. Wie schon bei der Gralssuche sind wir eingeladen, uns auf die Dynamik der Geschichte und ihrer Geheimnisse einzulassen.
3. Der goldene Ball
Meditation: Erinnere dich an einen Moment, in dem du in vollkommenen Frieden und vielleicht auch Liebe eingetaucht warst. Wenn du dich an einen solchen Moment nicht erinnerst, erschaffe ihn, stelle ihn dir vor und tauche darin ein, solange du möchtest.
Der König hatte einen Sohn von acht Jahren, der spielte einmal auf dem Hof, und bei dem Spiel fiel ihm sein goldener Ball in den Käfig. Der Knabe lief hin und sprach „gib mir meinen Ball heraus.“ „Nicht eher,“ antwortete der Mann, „als bis du mir die Türe aufgemacht hast.“ „Nein“, sagte der Knabe, „das tue ich nicht, das hat der König verboten“, und lief fort. Am anderen Tag kam er wieder und forderte seinen Ball: der wilde Mann sagte „öffne meine Türe“, aber der Knabe wollte nicht.
Was bedeutet der goldene Ball? Er symbolisiert das ursprüngliche heile Selbst des Jungen, in dem alle Dinge geschehen. In der Kabbala wird dieses höhere Selbst durch die Sonne und auch Christus symbolisiert. Der goldene Ball steht für die erste Unschuld, eine kindliche Unschuld, die er, nachdem sie erst einmal verloren war, nur durch Mut und emotionale Intelligenz zurückholen kann. Dann kann sie zu einer wissenden Unschuld werden. Angesichts der Weise, wie unser Intellekt arbeitet, muss diese goldene Kugel erst einmal verloren gehen. Wir können mit unserer Art zu denken die Einheit und die Wahrheit nicht mehr verstehen.
Wie können wir den Weg zurück finden? Wir können unsere verletzten Anteile fragen, was sie sollen.
Zuerst aber müssen wir das Wilde in uns annehmen, um die goldene Kugel zurückzugewinnen. Das wird nicht direkt ins Licht entfliehen können. Um Erleuchtung zu finden, müssen wir uns der Welt aussetzen, weil diese uns die Schatten in unserem Geist widerspiegelt. Und diese müssen vergeben, geheilt und heimgeholt werden, wie der Verlorene Sohn aus dem Lukas-Evangelium.
Der Versuch die Kugel zurückzuholen, bedeutet Ungehorsam gegen König und Königin. Diese Tat zieht einen Bruch mit den Eltern nach sich. Wer will das schon?
Viele mogeln sich um den Aufstand gegen ihre Eltern herum, bis diese gestorben sind. Dann schreien sie ihre Wut vielleicht in einer Therapie heraus, zerstören Gegenstände aus dem Besitz der Eltern ohne die Wut wirklich loszuwerden. Wir werden also Schuld spüren, wenn wir uns selbst treu sind. Aber auch wenn wir unsere Persönlichkeit verleugnen, werden wir Schuld spüren, die Schuld des Selbstverrats. Der Schuld können wir daher nicht entkommen, wir können nur von ihr fortrennen und sie damit aufrechterhalten oder durch sie hindurch-tauchen, in dem wir für einen Moment total schuldig werden, und sie damit überwinden. Denn Schuld ist nicht wirklich, weil sie vom Ego und nicht vom höheren Selbst kommt. Von oben kommt nur der Aufruf zu Veränderung und zum Aufbruch in ein neues Leben. Der Junge muss daher nun zur Tat schreiten, denn er kann nicht nichts tun. Er ist ins Leben geworfen worden und folgt dem Fortschritt seiner unentrinnbaren Selbstentfaltung.
Am dritten Tag war der König auf die Jagd geritten, da kam der Knabe nochmals und sagte: „Wenn ich auch wollte, ich kann die Türe nicht öffnen, ich habe den Schlüssel nicht.“ Da sprach der wilde Mann: „Er liegt unter dem Kopfkissen deiner Mutter, da kannst du ihn holen.“ Der Knabe, der durchaus seinen Ball wieder haben wollte, schlug alle Bedenken in den Wind und brachte den Schlüssel herbei. Die Türe ging schwer auf und der Knabe klemmte sich den Finger. Als sie offen war, trat der wilde Mann heraus, gab ihm den goldenen Ball und eilte hinweg.
Jetzt hat der Junge die Kugel wieder, klemmte sich aber den Finger. Er verletzte sich, weil er ungehorsam war. Es wird nichts mehr so sein wie früher. Er muss voller Enttäuschung begreifen, dass die goldene Kugel für ihn jetzt wertlos ist. Sie ist ein bedeutungsloses äußeres Symbol für etwas geworden, das schon vorher innerlich verloren war. Der Junge hat den Rest seiner Unschuld und Verbindung dadurch verloren, dass er aufgewachsen ist. Vielleicht haben sexuelle Phantasien Einlass in seinen Geist gefunden und damit die Kindheit zerstört. Oder er hat Dinge getan, sein Gewissen belastet, sei es, dass er andere gelogen, betrogen oder sie verletzt hat. Die Unschuld kann nicht durch Vortäuschung aufrechterhalten werden. Was verloren ist, ist fort. Soll er darauf warten, dass der Vater die Ursünde mitbekommt und ihn bestraft? Ein Gespräch könnte die Sache vielleicht bereinigen. Der Junge würde die Vergebung des Vaters empfangen, ohne das Paradies zu verlieren, wenn der Vater Gott ist. Der menschliche Vater kann das Gleiche tun, wenn er klug ist, und die Sache wäre aus der Welt. Oder er erteilt dem Jungen eine Lektion und die Trennung zwischen den beiden könnte ein Leben lang dauern. Adam und Eva hatten sich vor Gott versteckt und sich mit Feigenblättern bedeckt. Letztlich bedeutet die biblische Geschichte, dass sie aus dem Paradies flohen, um niemals mehr von Gott gesehen und befragt zu werden.
Die Welt ist Adams Versuch, Gott zu vergessen. Genau diese gnostische Deutung der biblischen Paradiesvertreibung können wir auf unsere Geschichte vom Eisenhans anwenden, wenn es um die spirituelle Seite des Lebens geht. Ähnlich wie in Hänsel und Gretel geschehen, verwirft der Junge nach dieser Lesart seine Beziehung zum Vater im Himmel und wirft damit auch den Himmel fort. Die Beziehung zu Gott kann nur in der Einheit gefunden werden und diese Einheit zerbrach, als sich der Sohn gegen Gott wendete. Jetzt muss der Sohn der Geschichte folgen, die für ihn geschrieben wurde. Und wenn er ihr folgt, wird es eine Geschichte der Erlösung sein, das heißt, er wird dahin zurückkehren, von woher er aufgebrochen ist, aber als ein Wissender. Für uns im westlichen Kulturkreis sind Jesus und Parzival zwei Figuren, die diesen Traum der Erlösung für uns zu Ende träumten. Am Beispiel von Parzival wird ersichtlich, dass niemand sich kreuzigen lassen muss, der die Erlösung sucht. Zeiten der Reflexion und Reinigung sind jedoch notwendig. Früher sind Leute dafür in die Einöde gegangen und haben als Büßer gelebt. Heute kann diese innere Arbeit in den Alltag integriert werden, durch Zeiten der regelmäßigen Mediation zum Beispiel, die der Seele die Gelegenheit zum inneren Wachstum geben, oder Wege des Aufbruchs wie mein Team, das sich die „Kinder des Windes“ nennt. Was die sozio-psychologische Seite der Geschichte anbelangt, ist es ein Fehler, die Versöhnung mit dem Vater nicht wenigstens versucht zu haben. Ich erinnere mich an die Enkelin eines indianischen Großvaters, die ihm von ihren Selbstmordgedanken erzählte, ihm aber auf seine Bitte hin versprach, sich nichts anzutun. Leider wohnte sie weit weg, bei dem anderen Großvater, in einem Haus voll anderer Kinder und Jugendlicher, wo niemand genau darauf achtete, wie es ihr ging. Und dieses zwölfjährige Mädchen, Santana, erhängte sich bald darauf im Keller des Hauses. Dies war ein Abschied ohne Good Bye, wie der andere Großvater Keith später schrieb. Sie war aus mehreren Gründen deprimiert, wie ich es in meinem Buch „Mit Crazy Horse im Schnee“ beschrieben habe. Aber sie hätte die notwendige Hilfe zum Weiterleben erhalten können, wenn sie nicht auf die inneren Dämonen gehört oder der andere Großvater sie mit sich genommen hätte. Auch unser Junge geht fort, ohne Abschied zu nehmen, aber er ist noch am Leben. Und wird zu dem werden, zu dem er bestimmt ist, wenn er aus den unvermeidlichen Fehlern lernt und im rechten Moment die Richtung wechselt, denn ohne Fehler gibt es im Märchen und im Leben keine Geschichte und daher keine Entwicklung. Wenn wir uns fragen, was das innere Kind sucht, so sind es Grundzustände, die sich nicht weiter zurückverfolgen lassen, weil sie der Quelle so nahe stehen. Die Grundzustände können Liebe, liebevolle Einheit, Frieden, vollkommener Schutz sein. Wenn wir uns in unserem Herzen. Die Suche
Die Flucht
Der Junge hat sich dem Numinosen, wie C.G.Jung das Unheimliche nannte, übergeben, weil ihm keine Wahl blieb. Nun ist er in eine andere Welt eingetaucht. Heute nennt man diese Welt die Welt der Peers, der Jugendgruppen, die über eine andere Weltsicht verfügen und diese an ihre jungen Mitglieder vermitteln. Wir können das innere Kind fragen, was wir ihm eigentlich erzählen, was es der “Inner-Bonding”-Prozess vorschlägt. Oft wird das Kind mit alten Ansichten von anderen bombadiert, wie “streng dich an!” oder “Du schaffst es nicht” oder “Die Welt ist schlecht, daher ist alles vergeblich.” usw. Wir können, diese Botschaften austauschen, in dem wir mit den höheren Bereichen unseres Bewusstseins Kontakt aufnehmen. Das tut der Prinz, indem er mit dem Eisenhans geht.
Dem Knaben war angst geworden, er schrie und rief ihm nach „ach, wilder Mann, geh nicht fort, sonst bekomme ich Schläge.“ Der wilde Mann kehrte um, hob ihn auf, setzte ihn auf seinen Nacken und ging mit schnellen Schritten in den Wald hinein.
Nun ist dem Jungen nur noch die Flucht geblieben. Verloren ist das Paradies der Kindheit, seine Familie und sein Thron. Jetzt heißt es in den dunklen Wald seiner eigenen Psyche einzutauchen und sich ein Bild von der Welt zu bilden, das auch funktioniert. Denn das ist die Aufgabe der Adolezens, die er jetzt eintaucht. In der Kabbala ist die Shäre, in der wir unsere Wahrnehmung von der Welt zusammensetzten Jesod, die Mondshäre. Wie wir über die Welt denken, so sehen wir sie. Wir sind im materialistischen Westen geprägt, egal ob wir im kapitalistischen Westen oder im kommunisten Osten, wie ich, aufgewachsen sind. Dort hat man uns beigebracht, dass sich unsere Wahrnehmung der Welt zwar im Kopf zusammensetzt, aber immer so weit wie möglich die Realität widerspiegelt. Die Kabbala und die Huna-Lehre sagen, dass das nicht stimmt. Die Welt ersteht aus unseren Überzeugungen. Wir können nur das sehen, das wir für möglich halten. Mit diesem Problem hatten Schamanen zu kämpfen, als die Schiffe von Magellan oder später Captain Cook an den Küsten ihrer Inseln im Pazifik auftauchten. Die Stammesmitglieder konnten die Schiffe nicht wahrnehmen, da so etwas in ihrer Vorstellungswelt nicht existierte. Erst als ein Schamane die Männer des Dorfes mit Kanus an die Schiffe heranbrachte und ihnen deren Gestalt erklärte, konnten sie sie auch sehen. So sind auch wir blind für andere Welten oder andere Überzeugungen, die andere Welt bilden. In unserer Geschichte des Eisenhans hören wir die Geschichte eines Befreiers, der die begrenzte Weltsicht jener, die ihm begegnen, öffnen wird.
Denn der Prinz ist bei Eisenhans, dem Beschützer und Mentor. Schauen wir, wie die Eltern des Kindes auf die Flucht reagieren.
Der verlassene Vater
Als der König heim kam, bemerkte er den leeren Käfig und fragte die Königin wie das zugegangen wäre. Sie wusste nichts davon, suchte den Schlüssel, aber er war weg. Sie rief den Knaben, aber niemand antwortete. Der König schickte Leute aus, die ihn auf dem Feld suchen sollten, aber sie fanden ihn nicht. Da konnte er leicht erraten was geschehen war, und es herrschte große Trauer an dem königlichen Hof.
Und wie erging es seinen Eltern? Sie waren traurig. Aber sie beschuldigten den Jungen nicht des Verrats. Sie wussten, dass das Leben selbst es gewesen war, das ihnen den Sohn entrissen hatte. Aber gerade weil der Junge nicht wusste, dass sein Fehler den Eltern nichts bedeutete und er ihr ganzer Schatz war, fühlte er sich schuldig. Er litt nicht unter wirklichen Ereignissen, sondern unter falschen Vorstellungen. Ein solcher Abbruch der Kommunikation trennt Familien und Beziehungen. So vieles könnte geklärt, verziehen und geheilt werden, wenn wir keine Angst hätten einander zuzuhören.
Und ähnlich ist es mit der Quelle die wir Gott nennen, die uns keine Blitze hinterher schleudert, noch eine ist, die das Paradies von Erzengeln mit flammenden Schwertern versperren ließ. Es ist vielmehr ein liebender Vater, der um seine vorübergehend verlorenen Kinder trauert. Der Junge ist auf Grund einer Täuschung fortgelaufen. Der Zorn Gottes, auf dem ganze Religionen beruhen, hat nie stattgefunden. Er hätte nach seiner Tat jeder Zeit zurück die Familie des Königs kehren können. Aber im menschlichen Leben ist das nicht so einfach. Da kann man sich die Unschuld nicht einfach zurückholen, indem man die Rolle des Kindes weiterspielt. Hier in der Welt muss man fortgehen, um den ganzen Kreis der Entwicklung zu vollziehen und letztlich die Liebe wiederzufinden, die man so schmerzlich zu vermissen beginnt, sobald man von zu Hause fort ist. Um in ein größeres Bewusstsein zurückzukehren, müssen wir also beides tun, wachsen und erkennen, dass wir schon daheim sind. Wenn meine Klienten unter dem Heimweh nach einem vollkommenen Zustand leiden, kann ich sie nur ermutigen vorwärts anstatt rückwärts zu gehen. Die Lösung kann nicht in der Vergangenheit liegen, sie kann nur jetzt gefunden werden oder, wenn man so will, in einem anderen Jetzt in der Zukunft, in dem man bereit ist, sich wirklich dem Glück zu öffnen.
4.Die Urkraft
Meditation
Wenn wir die Welt der wilden Männer und Frauen beschäftigen, können wir mit den erwachenden Trieben der Erwachsenen in Kontakt kommen. Wie sollen wir mit diesen chaotischen Energien umgehen?
Erinnere dich an deine erste Begegnung mit der Sexualtität. War es ein Bild, ein spontaner Organsmus, eine Beschähmung, eine Bedrohung, ein Missbrauch oder ähnliches, durch das deine Kindheit zerbrach? Frage das Kind oder die Jugendliche, was sie sich in dieser Situation am meisten wünschte und hülle es in diese Energie ein.
Als der wilde Mann wieder in dem finstern Wald angelangt war, so setzte er den Knaben von den Schultern herab und sprach zu ihm „Vater und Mutter siehst du nicht wieder, aber ich will dich bei mir behalten, denn du hast mich befreit und ich habe Mitleid mit dir. Wenn du alles tust, was ich dir sage, so sollst du es gut haben. Schätze und Gold habe ich genug und mehr als jemand in der Welt.“
Für was steht nun der Eisenhans? Er symbolisiert unter anderem all das Ungezähmte und Wilde, das wir hinter uns gelassen zu haben glauben. Der Eisenhans ist der ursprüngliche Mann. Heute sind die Männer dressierte Maschinen, die Geld verdienen und verstehen, weich und authentisch sein sollen. Die Mainstream-Propaganda versucht die traditionellen Rollen von Mann und Frau zu zerstören und stattdessen für sexuelle Freizügigkeit zu werben, weil Singles mehr konsumieren als Gemeinschaften und leichter kontrollierbar sind. Diese hedonistische Ideologie lässt viele auf der Strecke und führt vom Glück fort, das sie eigentlich verspricht. Aus diesem und anderen Gründen hatte Robert Bly recht, als ein mit dem „Eisenhans“ ein Buch über Männer schrieb. Gewalt soll hier nicht verteidigt werden. Eine Gesellschaft, die das Männliche und das Mütterliche zu zerstören versucht, wird schwerlich überleben.
Der Eisenhans steht auch für das ganze Erbe, das die Menschheit in sich trägt, also für das, was wir in den letzten Tausenden Jahren von Zivilisation verloren haben. Er ist der Wächter, den wir passieren müssen, wenn wir auf unseren Weg zur Ganzheit der goldenen Kugel vollenden wollen.
Er ist aber auch eine Art des ursprünglichen Geistes, das aus den Tiefen des Unbewussten aufsteigt. In der gnostischen Psychologie gibt es in unserem Kopf zwei Stimmen, die Stimme des höheren Selbsts und die Stimme des inneren Dämons oder heute des Egos. Das höhere Selbst spricht für Liebe, Vertrauen und Gott und weist uns den Weg, dem wir folgen müssen, wenn wir die Liebe wiederfinden wollen. Das Ego und seine Helfershelfer in den Medien sprechen von der Trennung und dem Mangel und versuchen uns immer tiefer in die Trennung zu locken, angeblich um uns zu schützen. Es weist immerzu in die falsche Richtung, fort von der Liebe. Wenn wir auf es hören, werden wir im Selbsthass enden. Darin zeigen sich die wahren Gefühle des Ego uns gegenüber. Es führt uns in Richtung Selbstzerstörung. Mit dem Eisenhans scheint es auch so zu sein. Er weiß jedoch, dass wir das Vaterhaus in dieser Welt verlassen müssen, um zu unserem wahren Selbst zurückzufinden. Wir müssen die Schuld auf uns nehmen, wir selbst zu sein. Erst wenn wir vollkommen Menschen sind, können wir uns an unser wahres Selbst erinnern.
Bisher hat der Eisenhans nichts anderes gemacht, als Chaos anzurichten. Er scheint ein Verführer zu sein, ein Teufel im Gewand eines Wilden, so wie viele Missionare ihn gesehen haben. Es ist die Stimme des Eros, die uns vorantreibt auf dem Weg durchs Leben. Sie treibt uns in Liebesabenteuer und zu fernen Horizonten. Sie vertreibt uns aus unserer warmen Stube, damit wir unser Geld vielleicht mit zweifelhaften Gestalten durchbringen oder andere Dummheiten begehen.
Viele Klienten bereuten ihre Entscheidungen, die sie in Bezug auf Partnerwahl getroffen haben. Sie haben vielleicht Kinder von den falschen Vätern empfangen. Aber sie lieben ihre Kinder und sehen doch in ihnen das Elternteil, dass sie verlassen und verletzt hat. Darum kann ich immer nur zur Vergebung anleiten. Vergebung heißt, unsere Kraft zurückzuholen aus einer Vergangenheit, die wir scheinbar nicht ändern können. In der Huna-Lehre aus Hawai heißt es, dass nur dieser Moment existiert und dass Vergangenheit und Zukunft nur Ausflüsse dieses Moments sind. Das heißt, wir können die Vergangenheit doch ändern, wenn wir vergeben und andere Dinge in unsere Erinnerung holen, ja, die Geschichte unseres Lebens umschreiben.
5. Der Brunnen der Weisheit
Meditationsbuch
Erinnere dich an einen Moment vollkommener Klarheit. Wenn du ihn nicht erinnerst, erschaffe ihn. Dann erlaube dieser Klarheit in dein Herz zu strahlen. Fühle darin hinein. Verstärke und erhalte das Gefühl so lange du willst. Es wird in einer schamanischen Tradition das “Lied” genannt.
„Er ließ den Knaben auf Moos schlafen und am andern Morgen führte er ihn zu einem Brunnen und sprach „siehst du der Goldbrunnen ist hell und klar wie Kristall: du sollst dabei sitzen und Acht haben das nichts hinein fällt, sonst ist er verunehrt. Jeden Abend komme ich und sehe ob du mein Gebot befolgt hast.“ Der Knabe setzte sich an den Rand des Brunnens und hatte Acht dass nichts hinein fiel. Als er so saß, schmerzte ihn einmal der Finger so heftig dass er ihn unwillkürlich in das Wasser steckte. Er zog ihn schnell wieder heraus, sah aber dass er ganz vergoldet war, und wie große Mühe er sich gab das Gold wieder abzuwischen, es war alles vergeblich. Abends kam der Eisenhans zurück, sah den Knaben an und sprach „was ist mit dem Brunnen geschehen?“ „Nichts, nichts“ antwortete er und hielt den Finger auf den Rücken, dass er ihn nicht sehen sollte. Aber der Mann sagte „du hast den Finger in das Wasser getaucht: diesmal magst hingehen, aber hüte dich dass du nicht wieder etwas hinein fallen lässt.“ Am frühsten Morgen saß er schon bei dem Brunnen und bewachte ihn. Der Finger tat ihm wieder weh und er fuhr damit über seinen Kopf, da fiel unglücklicher Weise ein Haar herab in den Brunnen. Er nahm es schnell heraus, aber es war schon ganz vergoldet. Der Eisenhans kam und wusste schon was geschehen war. „Du hast ein Haar in den Brunnen fallen lassen,“ sagte er, „ich will dirs noch einmal nachsehen, aber wenns zum dritten Mal geschieht, so ist der Brunnen entehrt, und du kannst nicht länger bei mir bleiben.“
Diese Szene ist einzigartig in den Märchen. Was für ein Bild wird dort beschrieben! Was ist nun der Brunnen? Es ist der ursprüngliche Geist des Jungen. Die Mystiker definieren den Geist als das Medium, in dem die Welt erscheint. Der Geist ist nach diesem Erklärungsmodell die Ursache der Welt, nicht umgekehrt. Wie schon gesagt, wird die Welt in unserem Geist so zusammengesetzt, wie wir sie sehen. Das heißt, dass wir aber nicht viel darüber wissen, wie die Welt wirklich ist. Wir können nur sicher sein, dass sie ganz anders ist, als wir sie uns vorstellen. Wir sind die Träumer der Welt. Darin liegen unsere Verantwortung und der Weg zu unserer letztendlichen Befreiung.
Das Universum ist eine Quantensuppe, in welcher gleichzeitig unendlich viele Möglichkeiten existieren. Warum will der Eisenhans, dass der Junge seinen Geist beobachtet? Er will, dass er seinen Geist reinigt und rein hält. Das Beobachten des eigenen Geistes ist ein Weg zum Erwachen. Es ist die Identifikation mit dem Gewahrsein selbst. Anstatt in unseren Gedanken verloren zu sein, werden wir einfach der Gedanken gewahr. Unsere Gedanken sind nur Behauptungen, die wir gewohnt sind zu glauben. Welcher Gedanke ist schon vollkommen wahr? Diese Identifikation mit dem eigenen leeren Geist und dem eigenen individuellen Licht ist die Art, wie wir meditieren und spirituell praktizieren sollten.
Der Brunnen steht auch für den Heiligen Gral. Nach dieser Deutung ist der Eisenhans der Fischerkönig, jener Mann, der von dem Jungen erlöst werden muss, damit dieser selbst Erlösung finden kann. Der Heilige Gral ist eine Öffnung in unserem Herzen, an der wir der Wahrheit begegnen. Wenn das geschieht, werden uns immer Dinge entrissen, die uns bis dahin lieb und teuer waren, die sich jetzt aber als Illusionen herausstellen. Wenn wir diese Dinge loslassen, kann der Gral seine Funktion erfüllen, um uns die Segnung und Gnade des Himmels zurückzugeben. Dann fühlten wir, dass all unser eingebildeter Besitz, ob nun materieller, mentaler oder emotionaler Natur, nur eine Last war. Wir können in jedem Moment alles haben, alles, was wir benötigen, und es im nächsten Moment loslassen. Das ist die Kunst derjenigen, die sich auf dem Pfad inneren Kriegers begeben, wie er hier in diesem Märchen beschrieben wird.
Warum schmerzt dem Jungen der Finger? Es ist das Glied, mit dem er den Bruch mit dem Vater vollzogen hat. Es könnte sich um den Penis handeln. Der Penis ist das Symbol der scheinbaren Fähigkeit des Menschen Leben zu erschaffen. Diese Fähigkeit kommt jedoch von der kosmischen Quelle allen Lebens und kann nur deshalb durch die Menschen fließen. Der Ursprung des Lebens liegt nicht im Körper.
Was aber in den Geist hineinfällt, wird vergoldet. Gold ist ein Symbol für die Sonne, die unsere Welt erleuchtet, für unser Herz und auch für Christus, den Bringer der Erlösun,g und damit für Gott und den Himmel. Das Gold erinnert an die goldene Kugel, die ja da irgendwo in der Tiefe liegt und schlummert, bis sie wieder an die Oberfläche kommen kann. Dort, wo Gold in der Geschichte auftauch,t ist das innere Licht der Seele nahe.
6. Goldenes Haar
Meditation
Hast du einmal in deinem Licht oder Charisma vor anderen gestrahlt? Haben andere dich bewundert. Wenn nicht, erschaffe diese Erinnerung in dir.
Am dritten Tag saß der Knabe am Brunnen, und bewegte den Finger nicht, wenn er ihm noch so wehtat. Aber die Zeit ward ihm lang, und er betrachtete sein Angesicht, das auf dem Wasserspiegel stand. Und als er sich dabei immer mehr beugte, und sich recht in die Augen sehen wollte, so fielen ihm seine langen Haare von den Schultern herab in das Wasser. Er richtete sich schnell in die Höhe, aber das ganze Haupthaar war schon vergoldet und glänzte wie eine Sonne. Ihr könnt denken wie der arme Knabe erschrak. Er nahm sein Taschentuch und band es um den Kopf, damit es der Mann nicht sehen sollte. Als er kam, wusste er schon alles und sprach „binde das Tuch auf.“ Da quollen die goldenen Haare hervor und der Knabe mochte sich entschuldigen, wie er wollte, es half ihm nichts. „Du hast die Probe nicht bestanden und kannst nicht länger hier bleiben. Geh hinaus in die Welt, da wirst du erfahren, wie die Armut tut. Aber weil du kein böses Herz hast und ichs gut mit dir meine, so will ich dir eins erlauben: wenn du in Not gerätst, so geh zu dem Wald und rufe meinen Namen, dann will ich herauskommen und dir helfen. Meine Macht ist groß und Gold und Silber habe ich im Überfluss.“
Nun hat der Junge seine dritte Chance vertan. Warum sollte er nichts in den Brunnen fallen lassen? Jede Verunreinigung des reinen Geistes und damit des reinen Gewahrseins sollte vermieden werden. Aber nun ließ der Junge sein Haupthaar hineinfallen. Scheinbar hat er nun aber seinen Platz beim Eisenhans nahe an der Natur verloren, aber dafür hat er einen Schatz erlangt, den ihm niemand mehr nehmen kann. Sein goldenes Haupthaar leuchtet wie ein Heiligenschein. Es zeigt, dass das Licht Einlass in seinen Geist gefunden hat und jetzt von dort aus leuchtet. Sein Erwachen hat begonnen. Der Eisenhans hat ihn an diesen Ort gebracht. Die innere Natur hat ihn zur Quelle des höheren Selbsts geführt. Doch nun muss er lernen, dieser Stimme in der Welt zu folgen. Er hat mehr Licht in sich als die anderen und vielleicht werden sich manche Leute nach ihm auf der Straße umsehen, ohne zu wissen, warum. Bei den Frauen wird er ein leichtes Spiel haben. Seine Gedanken werden eine größere Macht haben, als die der normalen Menschen. Im Positiven wie im Negativen. Er muss es also lernen, den Weg seiner Gedanken zu bestimmen. Er muss lernen zuzuhören, mehr und mehr, bis er nur noch auf die innere Quelle hört.
7.Der Garten
Meditation
Frage dich, ob du einmal Verantwortung für ein Stück Land getragen hast, hast du als Gärtner gearbeitet oder am Strand Burgen gebaut? Stell dir deinen idealen Garten vor.
Da verließ der Königssohn den Wald und ging über gebahnte und ungebahnte Wege immer zu, bis er zuletzt in eine große Stadt kam. Er suchte da Arbeit, aber er konnte keine finden und hatte auch nichts erlernt, womit er sich hätte forthelfen können. Endlich ging er in das Schloss und fragte ob sie ihn behalten wollten. Die Hofleute wussten nicht wozu sie ihn brauchen sollten, aber sie hatten Wohlgefallen an ihm und hießen ihn bleiben. Zuletzt nahm ihn der Koch in Dienst, und sagte er könnte Holz und Wasser tragen und die Asche zusammen kehren. Einmal, weil gerade kein anderer zur Hand war, sollte er die Speisen zur königlichen Tafel tragen, er wollte aber seine goldenen Haare nicht sehen lassen und behielt sein Hütchen auf. Da sprach der König „wenn du zur königlichen Tafel kommst, musst du deinen Hut abziehen.“ „Ach Herr, “ antwortete er, „ich kann nicht, ich habe einen bösen Grind auf dem Kopf.“ Da ließ der König den Koch herbei rufen, schalt ihn und fragte wie er einen solchen Jungen hätte in seinen Dienst nehmen können; er sollte ihn gleich fortjagen. Der Koch aber hatte Mitleiden mit ihm und vertauschte ihn mit dem Gärtnerjungen.
Der Junge hat eine Arbeit in der Nähe der Prinzessin gefunden. Sie steht für die größere lichtvolle Seite seiner selbst, seine Seele. Er arbeitet als Koch und bringt Essen aus der Küche. Er dient der Gemeinschaft. Er dehnt seine Kraft in die Welt aus. Aber er lässt sein Licht nicht leuchten, sondern stellt es unter einen Scheffel. Er verdeckt es, weil er fürchtet zu hell zu strahlen. Das tun viele von uns. Wir nennen das Bescheidenheit. Es ist aber die Stimme des Ego, die uns einredet, wir könnten unser Licht nicht leuchten lassen. Wir schämen uns unserer Identität, die viel größer ist, als diese kritische Stimme in unserem Kopf je begreifen wird. Aber wer sich versteckt, wird von der Welt angegriffen, weil die Leute seine Unehrlichkeit spüren. Genauso werden auch jene angegriffen, die in die Welt leuchten, weil sie den Neid jener wachrufen, die sich selbst verraten haben, wie es der Junge gerade getan hat. Er wird hinausgeworfen und muss den Acker seines Selbst dort draußen weiter beackern. Was wir in unserem Coaching aufzuzeigen versuchen, ist, dass es nicht so sein muss. Wir es lernen auf unsere Syntome zu hören, und damit dem inneren Kind näherkommen, das uns zum Frieden führt.
8. Die Königstochter.
Meditation: Erinnere dich an den Moment, als du dich das erste Mal in eine andere Person verliebt hast. Hole dir das Gefühl der Überraschung und Faszination, das du damals vielleicht gefühlt hast, zurück in dein Herz und kultiviere es dort.
„Nun musste der Junge im Garten pflanzen und begießen, hacken und graben, und Wind und böses Wetter über sich ergehen lassen. Einmal im Sommer als er allein im Garten arbeitete, war der Tag so heiß dass er sein Hütchen abnahm und die Luft ihn kühlen sollte. Wie die Sonne auf das Haar schien, glitzerte und blitzte es dass die Strahlen in das Schlafzimmer der Königstochter fielen, und sie aufsprang um zu sehen was das wäre.
Wir können unsere wahre Natur nicht für immer verbergen. So geschieht es auch mit dem Jungen.
Da erblickte sie den Jungen und rief ihn an „Junge, bring mir einen Blumenstrauß.“ Er setzte in aller Eile sein Hütchen auf, brach wilde Feldblumen ab und band sie zusammen. Als er damit die Treppe hinaufstieg, begegnete ihm der Gärtner und sprach „wie kannst du der Königstochter einen Strauß von schlechten Blumen bringen? geschwind hole andere, und suche die schönsten und seltensten aus.“ „Ach nein, “ antwortete der Junge, „die wilden riechen kräftiger und werden ihr besser gefallen.“ Als er in ihr Zimmer kam, sprach die Königstochter „nimm dein Hütchen ab, es ziemt sich nicht dass du ihn vor mir auf behältst.“ Er antwortete wieder „ich darf nicht, ich habe einen grindigen Kopf.“ Sie griff aber nach dem Hütchen und zog es ab, da rollten seine goldenen Haare auf die Schultern herab, dass es prächtig anzusehen war. Er wollte fortspringen, aber sie hielt ihn am Arm und gab ihm eine Hand voll Dukaten. Er ging damit fort, achtete aber des Goldes nicht, sondern er brachte es dem Gärtner und sprach „ich schenke es deinen Kindern, die können damit spielen.“
Der Junge musste sein Licht zeigen. Er kann sein Licht nicht mehr unter einem Scheffel stellen. Die Prinzessing nimmt ihm den Hut weg und er steht jetzt fast nackt da, von Angesicht zu Angesicht mit seinem wahren Selbst. Er braucht sich für nichts mehr schämen, für das sein Ego ihn verdammt. Und das hat er erreicht, in dem er im Garten arbeitete, in der Erde in wahrer Demut und Einfachheit.
Der wilde Blumenstrauß bedeutet Ursprünglichkeit aber auch Sexualität. Er deutet auf den Weg der Natur hin. Die Natur ist dem Ursprung immer nahe. Der Junge zeigt der Prinzessin genau diese Natürlichkeit. Was ist ihre Antwort? Die Quelle des Lebens gibt immer alles. Sie gibt die sichtbaren und die unsichtbaren Dinge. Dieses Märchen wählt ein geniales Bild, um beide Seiten der Gaben des Ursprungs zu beschreiben. Die Prinzessin schenkt ihm Gold als Zeichen des universalen Überflusses. Gold ist ein Zeichen des wahren Selbstes, der Sonne und des Herzens. Aber in dieser Welt darf Gold nicht in der Sonne leuchten, weil es zu einem Symbol der Habgier geworden ist. Es wird versteckt, weil es von den Eliten gehortet wird. Es soll so viel Gold in dieser Welt geben, dass es fast so billig wie Kupfer sein könnte. Aber es wird weggeschlossen und gebunkert. So will der Junge nicht enden. Er geht den Weg der Kenosis, den auch Jesus lehrte, den Weg der Selbstentäußerung. Wenn wir frei sein wollen, müssen wir uns selbst fortgeben, immer wieder, so wie wir auch immer wieder die unendlichen Gaben des Universums annehmen müssen. Wir leben dann aus der Leere heraus, damit die Quelle uns füllen kann. Ein Kurs in Wundern sagt, wir sollen all die Dinge fortgeben, die wir nicht verlieren wollen, denn gerade durch das Fortgeben bewahren wir sie vor dem Verlust. Das ist das Gegenteil von dem, was die Welt glaubt. Wer als Liebe geschaffen wurde, wird dies nur erfahren, wenn er Liebe gibt. Wer als Fülle erschaffen wurde, wird sich nur als Fülle erfahren, wenn er Fülle gibt. Das genau macht der Junge. Wer die Sachen, die er liebt, fortgibt, stellt sicher, dass ihm eine wertvollere Variante der gleichen Dinge wiedergegeben wird. Der kosmische Geist sorgt dafür, dass unsere Frequenz immer weiter steigt und damit auch unsere Fähigkeit des Gebens und Empfangens. Wenn wir die Segnungen des Universums zurückhalten, werden wir vergessen, wie sehr wir gesegnet sind. Diese Szene deutet noch auf einen weiteren Aspekt hin, der mit Fülle zu tun hat. Die Unfähigkeit des Annehmens. Warum will der Junge nichts von der Prinzessin entgegennehmen? Er will frei bleiben. Nimmt er das Gold von ihr an, wird er in den Strudel menschlicher Beziehungen hereingezogen, die oft auf dem Handel mit Liebe und Schuld beruhen. Sie führen oft zu gegenseitiger Projektion von Hoffnung, Erwartung und von Enttäuschung, eben weil menschliche Beziehungen es nicht schaffen, die reine Liebe auszudehnen. Aber die Distanz, mit der der Junge seine Unabhängigkeit verteidigt, bringt ihn auch nicht weiter. Der Junge genießt sein Licht, ohne sich dem Leben zu stellen. Er kann das Dilemma des menschlichen Lebens nicht lösen, ohne sich darauf ganz einzulassen.
„Den andern Tag rief ihm die Königstochter abermals zu er sollte ihr einen Strauß Feldblumen bringen, und als er damit eintrat, grapschte sie gleich nach seinem Hütchen und wollte es ihm wegnehmen, aber er hielt es mit beiden Händen fest. Sie gab ihm wieder eine Hand voll Dukaten, aber er wollte sie nicht behalten und gab sie dem Gärtner zum Spielwerk für seine Kinder. Den dritten Tag gings nicht anders, sie konnte ihm sein Hütchen nicht wegnehmen, und er wollte ihr Gold nicht.“
Übung:
Erinnere dich an eine Beziehung, die zwischen Geben und Abwehr steckengeblieben war. Vielleicht zwischen dir und deiner Mutter, zwischen einer Autoritätsfigur, die dir Ratschläge gab, und dir, die du nicht gebeten hast oder anderes. Wie hast du dich davon befreit oder die Beziehung verbessert?
Wir können sehen, dass der Junge noch nicht dafür bereit ist, die Schätze des Lebens auch für sich anzunehmen. Er will geben, ohne anzunehmen. Dies ist das Stadium des stolzen Kriegers, der vollkommen selbstgenügsam ist. Wer aber nur gibt, ohne zu nehmen, behandelt seine Brüder und Schwestern ohne Respekt und wird seine Ressourcen bald erschöpfen. Es geht nicht um einen Austausch, der auf Handel beruht, es geht hier vielmehr um Gegenseitigkeit. Der Junge will sein Licht nicht strahlen lassen, er will im Geheimen agieren. Ehrliche Kommunikation ist aber meistens die beste Lösung. Nur Ehrlichkeit kann die Mauern zwischen uns einreißen und unsere Verletzungen und Ängste heilen. Wenn wir alles freigeben und empfangen könnten, würden wir die Schwingung des Planeten so weit anheben, dass er in den Zustand vor dem Verlust des Paradieses zurückversetzt werden würde. Denn Trennung, wie wir sie kennen, wird geheilt werden.
Der Junge aber kann in diesem Stadium weder geben noch empfangen. Es findet kein Austausch statt und es ist noch kein Platz für die Liebe und ihre oben erwähnte dunkle Seite der Schuld. Während die Weisheit an der oberflächlichen Identität des Jungen rüttelt und ihm das Gold der Weisheit und Liebe anbietet, hält er noch an seiner Identität eines unabhängigen Menschen fest. Gleichzeitig ist die Königstochter seine Schwester, denn er ist auch ein Königssohn. Wir sind alle Kinder des Lebens und damit Träger des Lichts. Licht steht für ein reifes, liebevolles Gewahrsein. Solange wir unser Licht nicht leuchten lassen, werden wir nur Finsternis um uns wahrnehmen. Aber wenn wir aufhören uns aus Angst zusammenzuziehen, können wir leuchten und dann lächelt die Welt zu uns zurück. Was nun für den Jungen ansteht ist daher der Sprung in die zwischenmenschliche Liebe mit all ihren Verwirrungen, Schmerzen und Zweifeln. Sonst wird das Leben an ihm vorbeiziehen und er wird am Ende leer ausgehen.
9. Der Kampf
Meditation: Wann hast du das erste Mal Gefahr als Kind oder Jugendlicher gespürt? Kannst du diesem Kind oder Jugendlichen fragen was er oder sie sich wünscht? Frage ihn, was er sich als nächstes wünscht. Gehe damit immer tiefer bis du auf eine grundlegende Energie stößt, die der Quelle des Lebens sehr nahe steht, wie Liebe, Frieden oder liebevolles Einssein.Hülle das Kind in die Energie der Antwort ein.
Nicht lange danach ward das Land mit Krieg überzogen. Der König sammelte sein Volk und wusste nicht ob er dem Feind, der übermächtig war und ein großes Heer hatte, Widerstand leisten könnte. Da sagte der Gärtnerjunge „ich bin herangewachsen und will mit in den Krieg ziehen, gebt mir nur ein Pferd.“ Die andern lachten und sprachen „wenn wir fort sind, so suche dir eins: wir wollen dir eins im Stall zurück lassen.“ Als sie ausgezogen waren, ging er in den Stall und zog das Pferd heraus; es war an einem Fuß lahm und hickelte hunkepuus, hunkepuus. Dennoch setzte er sich auf und ritt fort nach dem dunkeln Wald. Als er an den Rand desselben gekommen war, rief er dreimal Eisenhans so laut dass es durch die Bäume schallte. Gleich darauf erschien der wilde Mann und sprach „was verlangst du?“ „Ich verlange ein starkes Ross, denn ich will in den Krieg ziehen.“ „Das sollst du haben und noch mehr als du verlangst.“ Dann ging der wilde Mann in den Wald zurück, und es dauerte nicht lange, so kam ein Stallknecht aus dem Wald und führte ein Ross herbei, das schnaubte aus den Nüstern, und war kaum zu bändigen. Und hinterher folgte eine große Schaar Kriegsvolk, ganz in Eisen gerüstet, und ihre Schwerter blitzten in der Sonne. Der Jüngling übergab dem Stallknecht sein dreibeiniges Pferd, bestieg das andere und ritt vor der Schaar her. Als er sich dem Schlachtfeld näherte, war schon ein großer Teil von des Königs Leuten gefallen und es fehlte nicht viel, so mussten die übrigen weichen. Da jagte der Jüngling mit seiner eisernen Schaar heran, fuhr wie ein Sturm über die Feinde, und schlug alles nieder was sich ihm widersetzte. Sie wollten fliehen, aber der Jüngling saß ihnen auf dem Nacken und ließ nicht ab bis kein Mann mehr übrig war. Statt aber zu dem König zurück zu kehren, führte er seine Schaar auf Umwegen wieder zu dem Wald und rief den Eisenhans heraus. „Was verlangst du?“ fragte er. „Nimm dein Ross und deine Schaar zurück und gib mir mein dreibeiniges Pferd wieder.“ Es geschah alles, was er verlangte, und er ritt auf seinem dreibeinigen Pferd heim.“
Bevor wir in Frieden leben können, müssen wir den Tanz mit unseren inneren Dämonen erlernen. Auch wenn wir sie niemals besiegen werden, so können wir doch die Macht, die sie über uns haben vermindern, wenn wir ihrer Gegenwart bewusst sind.
Nun ist der Junge zum ersten Mal in seine Kraft gekommen. Er ist nicht mit der Armee geritten, denn sie haben ihn nicht gelassen. Dies ist keine Geschichte für die Massen. Wir wollen hier keine Soldaten ausbilden. Auch keine Individualisten. Sondern welche, die den Weg zum Frieden gehen. Der wird durch den Dienst für andere und unser wahres Selbst erreicht. Wir sind alle miteinander verbunden. Wir teilen alle einen einzigen Geist. Und wir müssen unsere Kleinheit überwinden, die uns an Raum und Zeit bindet. Das tun wir indem wir all jenen dienen, die zu uns kommen.
Letztendlich kommt alles zu uns selbst zurück, was wir geben. Das ist das Geheimnis der Liebe. Das heißt, dass alles was wir sehen eine Widerspiegelung ist. Es ist alles unser eigener Geist und nichts erreicht uns von außerhalb, solange wir in dieser Welt sind. Wir leben in einer Blase aus Träumen. Darum scheinen unsere Urteile so berechtigt zu sein, weil alles sie unterstützt. Wenn der Junge den Austausch mit dem Mädchen verhindert, deutet unser Märchen noch auf etwas hin, unter dem fast alle leiden, die in dieser Welt Beziehungen eingehen. Wir könnten es die Ping-Pong-Methode nennen.
Damit gemeint ist das Hin- und Herschieben von Verantwortung, Groll und Schuld in Beziehungen. Jedes Mal, wenn wir den anderen beschuldigen, an unseren schlechten Gefühlen Schuld zu sein, nimmt der Groll in der Beziehung zu. Und so geht es hin und her, bis wir uns trennen oder vollkommen verbittert sind. Der Junge wehrt sich auf einer bestimmten Ebene gegen diese Art des Handels, um die Beziehung mit dem Mädchen nicht zu ruinieren. Er glaubt, dass die Prinzessin etwas zurückverlangen wird, wenn er ihre Geschenke annimmt. Erst wenn er erwachsen genug ist, um in seiner eigenen Verantwortung zu stehen, wird er bereit für die Liebe sein.
Beziehungen können eine besondere Funktion in unserem Leben spielen. Wir können sie dem Erwachen dienen lassen. Das nennen wir eine heilige Beziehung. Alles, was unser Partner durch seine Taten und Worte in uns hochkommen lässt, ist dann unser eigenes Material und hat mit ihm nicht viel zu tun. Dieses Material muss anerkannt, umarmt und losgelassen werden. Gefühle müssen gefühlt werden. Das ist der Weg zur Freiheit. Beziehungen sind also nur zwischen erwachsenen Menschen hilfreich. Und da kommt die Idee des Schwarzen Lochs noch einmal zurück. Wenn wir uns nicht mehr wehren, sondern alles einladen zu uns zurückzukommen, werden sich alle Dramen um uns auflösen. Das ist das, was Jesus meinte, als er sagte: „Widersteh dem Bösen nicht!“ Leute, die Konflikt lieben, werden sich mit Grauen von uns abwenden, wenn wir uns nicht mehr wehren, denn niemand will in der Nähe eines Schwarzen Lochs leben. Wir entreißen ihnen durch unsere Wehrlosigkeit die Energie zum Angriff. Solange die Wut nach außen geleitet wird, scheinen manche Beziehungen gut zu laufen, aber zu welchem Preis? Mögen sie auch noch so stark versuchen, diese Wut auf die äußere Welt zu leiten; sie kriecht immer wieder zurück.
Gegen welchen Feind wird die Schlacht des Jungen nun geschlagen? Versucht er seine zukünftige Frau gegen die Welt zu verteidigen? Das kann nur scheitern. Dieses ganze Märchen spricht von einem inneren Kampf, der sich auch im Außen zeigt. Bei diesem Kampf gibt es mehrere Akteure. Einmal ist da das bewusste Ich, dann der Ruf des Geistes von oben, das Ego mit seinen Forderungen und Urteilen, die eigenen Ängste, und nicht zuletzt der Drang von Leidenschaft und Liebe auf das Objekt der Begierde hin. Der Kampf des Jungen richtet sich gegen alles, was ihn klein hält. Er hat in der Quelle des Geistes Erleuchtung gefunden, was heißt, dass er sich seiner selbst bewusst geworden ist. Er könnte glücklich im Wald leben und die Welt sich selbst überlassen. Aber da sind auch die wilden Sexual- und Erdenergien des Eisenhans in ihm, die ihn zuerst in den Wald und dann zurück in die Welt zum Schloss der Prinzessin getrieben haben. Obwohl er schon leuchtet, braucht er eine Partnerin, braucht er eine geliebte Person aus Fleisch und Blut, um dieses Licht in einem Tanz der Liebe kreisen zu lassen. Dagegen gibt es aber starke Widerstände, so groß die Sehnsucht auch sein mag. Der geklemmte Finger wurde durch das hinkende Bein des Pferdes ersetzt. Es ist die Scham, die alle Menschen seit Adam und Eva für ihre Geschlechtlichkeit empfinden. Wie kann diese Scham überwunden werden? Die Geschichte wird es zeigen.
10. Sich zeigen und ankommen.
Meditation
Stell dir den größten Glückszustand vor, den du dir in dieser Welt erreichen kannst und stelle dir vor, dass du ihn erreicht hast.
„Als der König wieder in sein Schloss kam, ging ihm seine Tochter entgegen und wünschte ihm Glück zu seinem Sieg. „Ich bin es nicht, der den Sieg davon getragen hat“ sprach er „sondern ein fremder Ritter, der mir mit seiner Schaar zu Hilfe kam.“ Die Tochter wollte wissen wer der fremde Ritter wäre, aber der König wusste es nicht und sagte „er hat die Feinde verfolgt, und ich habe ihn nicht wieder gesehen.“ Sie erkundigte sich bei dem Gärtner nach seinem Jungen: der lachte aber und sprach „eben ist er auf seinem dreibeinigen Pferd heim gekommen, und die andern haben gespottet und gerufen „da kommt unser Hunkepuus wieder an.“ Sie fragten auch „hinter welcher Hecke hast du derweil gelegen und geschlafen?“ Er sprach aber „ich habe das beste getan, und ohne mich wäre es schlecht gegangen.“ Da ward er noch mehr ausgelacht.“
Der Junge will noch nicht in der Mitte stehen und wirklich Verantwortung übernehmen. Er will andere Menschen führen, aber nur für eine kurze Episode, denn er glaubt zu mehr sei er nicht fähig. Er hat noch nicht verstanden, dass dies sein Traum ist. Er glaubt also immer noch, er könne sich verstecken. Aber niemand kann sich in der Welt verstecken, denn es gibt nur einen Geist, in dem wir alle wie Wellen schwimmen. Und dann ist da noch der Schöpfer, der jedes seiner Kinder kennt und es in seinem Koordinatensystem geortet hat. Dies mag schwer zu akzeptieren sein. Auch ich konnte mir am Beginn meiner Reise schwer vorstellen, dass Gott alle Wesen sicher geortet hat und sich um sie kümmert, soweit sie dies zulassen. Aber dies hat sich als wahr herausgestellt. Der Empfang wirklicher Hilfe und Führung von oben wird nur durch Bereitschaft zur Nachfolge erkauft. Die Welt wird durch ein Versteckspiel aufrechterhalten, das nicht gewonnen werden kann. Der Junge muss mehr und mehr auf der Erde landen, reifen und erwachsen werden, um die Königstochter, die Geliebte, die für seine Seele steht, zu erringen. Er geht den Weg der Alchimisten, den Weg der Umwandlung von Blei zu Gold. Dies alten Weisen brachten dies durch das tausendfach wiederholte Erhitzen und Abkühlen von bestimmten Substanzen zustande. Solche sich wiederholenden Prozesse sind heute noch wenig erforscht. Es soll dabei nach einer Theorie am Ende zu einer kalten Kernfusion gekommen sein, die Blei in Gold verwandelte. Dass sie möglich war, wurde zu oft von unterschiedlichster Seite bestätigt, um es in Abrede zu stellen. Die Mainstream-Wissenschaft lehnt dies noch immer ab. Diese Prozesse entziehen sich ihrer kalten Neugier, weil sie glaubt, dem Geheimnis des Lebens mit dem Skalpell näher kommen zu können. Inzwischen müssen die Physiker jedoch zugehen, dass der Beobachter immer Teil des Experiments ist und dass es damit keine unabhängige Außenwelt gibt.
Die Alchemie hängt vom Entwicklungsstand der Seele des Adepten ab und muss mit Liebe und Ehrfurcht ausgeführt werden. Die Astrophysik, die Königin der heutigen Wissenschaft, hat nur 3,5 % der Materie des Universums identifiziert und verstanden, tut aber so, als wären es 95%. Etwas mehr Demut wäre also angebracht, wenn es darum geht, zu bestimmen, was möglich und was unmöglich ist. Alles ist möglich und nichts ist unmöglich.
„König sprach zu seiner Tochter „ich will ein großes Fest ansagen lassen, das drei Tage währen soll, und du sollst einen goldenen Apfel werfen: vielleicht kommt der unbekannte herbei.“ Als das Fest verkündigt war, ging der Jüngling hinaus zu dem Wald und rief den Eisenhans. „Was verlangst du?“ fragte er. „Dass ich den goldenen Apfel der Königstochter fange.“ „Es ist so gut als hättest du ihn schon“ sagte Eisenhans, „du sollst auch eine rote Rüstung dazu haben und auf einem stolzen Fuchs reiten.“ Als der Tag kam, sprengte der Jüngling heran, stellte sich unter die Ritter und ward von niemand erkannt. Die Königstochter trat hervor und warf den Rittern einen goldenen Apfel zu, aber keiner fing ihn als er allein, aber sobald er ihn hatte, jagte er davon.
Der Jüngling bekommt eine rote Rüstung. Die drei Farben Schwarz, Weiß und Rot symbolisieren die Phasen des alchimistischen Prozesses Schwärzung, Weißung und Rötung zur Herstellung des Steins der Weisen, mit dessen Hilfe das Blei in Gold verwandelt werden sollte. Hier im Eisenhans werden diese Phasen seltsamerweise in umgekehrter Reihenfolge auf-geführt. Was soll das bedeuten? Es bedeutet, dass der Weg nach der ersten partiellen Erleuchtung zurück zur Erde führt. Ohne Erdung und Dienst ist jede spirituelle Erleuchtung bedeutungslos. Das erkannte auch der Buddha, als er das Rad der Lehre in Gang setzte und für weitere vierzig Jahre als Lehrer in Indien herumreiste, anstatt einfach ins Nirvana zu springen, ohne eine Spur zu hinterlassen. Auch inkarnierte sich das Göttliche in Jesus, um sichtbar und berührbar zu werden. Auf die gleiche Weise hinterlässt auch der Junge seine Spur in der Welt, ohne schon den Mut zu haben, dafür einzustehen. Um den Apfel fangen zu können, muss er mit beiden Beinen auf der Erde stehen.
Er muss den Prozess der inneren Integration abschließen, bevor er bereit für eine wahre Beziehung ist. Das bedeutet, dass spirituelle Erleuchtung nicht das Ende, sondern der Anfang eines Prozesses der Integration ist, die eigentlich nie abgeschlossen ist. Viele Gurus und erleuchtete Lehrer sind in ihrem Anspruch gescheitert, ethisch hochstehende Wesen zu sein. Die Versuchung des Machtmissbrauchs gegenüber abhängigen Schülern, ist zu groß. Nur wenige sind Jesus nahegekommen, wie Neem Karoli Baba, Babaji, Ramana Maharshi und die kleine Therese. Heiligkeit ist ein täglicher Kampf gegen die inneren Dämonen.
„Am zweiten Tag hatte ihn Eisenhans als weißen Ritter ausgerüstet und ihm einen Schimmel gegeben. Abermals fing er allein den Apfel und jagte damit fort. Der König ward bös und sprach „das ist nicht erlaubt, er muss vor mir erscheinen und seinen Namen nennen.“ Er gab den Befehl, wenn der Ritter, der den Apfel gefangen habe, nicht Stand hielt, so sollte man ihm nachsetzen und wenn er nicht gutwillig zurück kehrte, auf ihn hauen und stechen.
Nun wird es eng für den Jungen. Lange kann er sich nicht mehr verstecken. Die Farbe Weiß bedeutet hier, dass er keine Farbe bekennt, dass er in seiner Blässe nicht hervortritt. Wir alle drücken uns davor Farbe zu bekennen. Denn das heißt auch schuldig zu werden. Solange man keine Entscheidung trifft, kann man der Schuld scheinbar entrinnen. Man bewegt sich so wenig wie möglich, um nicht aufzufallen, und hofft, dass der Tod die letztendliche Entscheidung für das Leben und Gott überflüssig macht. So denken viele. Aber es gibt keinen Tod. Wir haben nur ein Leben und das endet nicht. Nur die Traumsequenzen, die wir Leben nennen, kommen und gehen. Aber uns werden wir nie wieder los. Nur eine richtige Entscheidung kann uns von unserer selbstauferlegten Gefangenschaft befreien.
„Am dritten Tag erhielt er vom Eisenhans eine schwarze Rüstung und einen Rappen und fing auch wieder den Apfel. Als er aber damit fortjagte, verfolgten ihn die Leute des Königs und einer kam ihm so nahe dass er mit der Spitze des Schwerts ihm das Bein verwundete. Er entkam ihnen jedoch, aber sein Pferd sprang so gewaltig dass der Helm ihm vom Kopf fiel, und sie konnten sehen dass er goldene Haare hatte. Sie ritten zurück und meldeten dem König alles.“
Der Junge entkam zwar noch einmal. Aber als schwarzer Ritter, jemand der sich verbrannt hat, ist er leicht auszumachen. Sein goldenes Haar ist gesichtet worden. Nun braucht es nicht mehr lange, bis sie ihn haben, denn sein inneres Licht ist der Königstochter ja schon bekannt. Wer sich so weit vorgewagt hat, kann nicht mehr zurück und wird entdeckt werden. Er kann nur weiter vorpreschen, denn am Ziel wird alle Angst überwunden sein und es wird wieder leicht werden.
„Am andern Tag fragte die Königstochter den Gärtner nach seinem Jungen. „Er arbeitet im Garten: der wunderliche Kautz ist auch bei dem Fest gewesen und erst gestern Abend wieder gekommen; er hat auch meinen Kindern drei goldene Äpfel gezeigt, die er gewonnen hat.“ Der König ließ ihn vor sich fordern, und er erschien und hatte wieder sein Hütchen auf dem Kopf. Aber die Königstochter ging auf ihn zu und nahm es ihm ab, und da fielen seine goldenen Haare über die Schultern, und er war so schön, dass alle erstaunten. „Bist du der Ritter gewesen, der jeden Tag zu dem Fest gekommen ist, immer in einer andern Farbe, und der die drei goldenen Äpfel gefangen hat?“ fragte der König. „Ja“ antwortete er, „und da sind die Äpfel“, holte sie aus seiner Tasche und reichte sie dem König. „Wenn ihr noch mehr Beweise verlangt, so könnt ihr die Wunde sehen, die mir eure Leute geschlagen haben, als sie mich verfolgten. Aber ich bin auch der Ritter, der euch zum Sieg über die Feinde geholfen hat.“ „Wenn du solche Taten verrichten kannst, so bist du kein Gärtnerjunge: sage mir, wer ist dein Vater?“ „Mein Vater ist ein mächtiger König, und Goldes habe ich die Fülle und so viel ich nur verlange.“ „Ich sehe wohl“, sprach der König, „ich bin dir Dank schuldig, kann ich dir etwas zu Gefallen tun?“
Nun ist die Zeit der Ernte gekommen. Alles was der Junge bisher erreicht hat, war wohlgetan, auch wenn er einige Blessuren davongetragen hat. Nun kann er endlich sagen, was er will. Alle hören ihm zu, denn sie wissen, dass sie ihm all das geben müssen, das er einfordert. Er ist derjenige, auf den sie gewartet haben. Selbst heute sehen viele die Nachrichten mit der unbewussten Hoffnung an, dass endlich jemand auftaucht, der alles zum Guten wendet. Und diese Hoffnung wird jedes Mal enttäuscht werden, solange wir nicht selbst die Veränderung sind, auf die wir warten. Genau deshalb werden die Wissenschaftler vergeblich nach den fehlenden 96,5% der Materie des Universums suchen, solange sie sich nicht selbst in die Suche mit einschließen. Das was fehlt, ist ihre eigene Seele.
Erlösung
„Ja“ antwortete er, „das könnt ihr wohl, gebt mir eure Tochter zur Frau.“ Da lachte die Jungfrau und sprach „der macht keine Umstände. Ich habe es schon an seinen goldenen Haaren gesehen dass er kein Gärtnerjunge ist:“ ging dann hin und küsste ihn. Zu der Vermählung kam sein Vater und seine Mutter und waren in großer Freude, denn sie hatten schon alle Hoffnung aufgegeben ihren lieben Sohn wieder zu sehen. Und als sie an der Hochzeitstafel saßen, da schwieg auf einmal die Musik, die Türen gingen auf und ein stolzer König trat herein mit großem Gefolge. Er ging auf den Jüngling zu, umarmte ihn und sprach „ich bin der Eisenhans, und war in einen wilden Mann verwünscht, aber du hast mich erlöst. Alle Schätze, die ich besitze, die sollen dein Eigentum sein.“
Der Junge bittet um alles und bekommt alles. Er hat aufgehört, etwas Besonderes sein zu wollen, denn er nimmt seinen Platz als Königssohn wieder ein, der uns allen gebührt. Denn wir sind Kinder der Götter, wie Jesus sagt. Am Ende kommen die Eltern des Jungen und selbst der Eisenhans ist erlöst. Erlösung dem Erlöser, heißt es bei Wagner. Ende gut alles gut! Wie hat er die Erlösung erreicht? Er ist der inneren Stimme gefolgt. Diese innere Stimme ist immer da. Wir müssen uns nur entscheiden sie zu hören. Zuerst müssen wir erkennen, dass wir einen Autoritätskonflikt mit unserer inneren Quelle haben. Wir wollen sie von uns fernhalten, weil wir glauben, dass unsere Freiheit in unserer Unabhängigkeit läge. Aber wenn wir uns auf den Weg zur Erlösung machen haben wir genug von unserer eigenen Art zu leben. Wir erkennen, dass wir diese Quelle brauchen. Letztendlich ist der Teil von uns, den wir uns so sehnlichst zurück gewünscht haben, ein Teil von Gott selbst.
Der der Weg fing damit an, dass wir uns die blinden Flecke in unserem Geiste anschauten. Wir stehen in der Beobachtung unseres Geistes, und bewegen uns nicht fort, wie es der Junge getan hat, als er den Brunnen bewachte. Das tun wir solange, bis unser Haupt vergoldet ist. Diese Praxis wird auch Vergebung genannt. Sie bedeutet, dass wir Verantwortung für alle Dinge, die wir sehen übernehmen, weil dies unser Traum ist. Aber das reicht noch nicht. Wir lassen all das, was wir außen sehen, zu uns zurückkommen. Und wir atmen in unser Herz und fragen uns „Wer bin ich?“ Die Antwort, ein inneres Wissen, ist wirkliche Erkenntnis. Davon handelt diese Geschichte. Die Erkenntnis unserer selbst, das ist die Gnosis, von der die Alten sprachen. Der Junge beobachtet den Geist, erkennt sich als die Ursache der Welt von Raum und Zeit und geht dann in die Welt zurück, um seinen Auftrag zu erfüllen. Das heißt, dass wir das tun, worum die innere Stimme uns bittet. Unser Licht wird sich dann ausdehnen und die Weisheit anziehen. Diese Weisheit wird uns in den Kampf rufen. Das bedeutet, dass wir für die Wahrheit einstehen müssen. Wenn wir unseren eigenen Schatten, also unsere innere Lieblosigkeit, unsere Feigheit und unseren Egoismus, besiegt haben, können wir endlich zur Hochzeit eingehen. Die Hochzeit mit der Prinzessin bedeutet Erlösung. Dann erkennen wir endlich, wer wir wirklich sind. Wir sind der Geist, in dem sich das Drama des Traumes in Raum und Zeit abspielt. Wir sind die Welt, die wir sehe,n und wir sind ein Teil der Quelle, der dies träumt. Wir sind auch die Liebe, die zurückkehrt, bis auch der letzte Eisenhans aus der Gefangenschaft des Waldes der Welt befreit wurde.
Zum Schluss öffnet sich noch ein Tor in eine Neue Welt, wenn du bereit bist….
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