Maria Magdalena

 

Die Pforten der Maria Magdalena

Gnostistische Geheimnisse eines Märchens

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Stellaazul-Verlag                                                                             

published in Barcelona, Spain, 2017,                                                                                                                              

ISBN: 978-1544138527

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort
  2. Das Treffen
  3. Die Stille

2.1       Die Pforte der Wehrlosigkeit

  1. Rebellen und Forscher
  2. Gefangennahme                                                                                                                                                                                                                                    4.1.      Die Pforte der Resonanz
  1. Der goldene Ball
  2. Die Ursünde
  3. Die Flucht                                                                                                    7.1.        Die Pforte der Reue
  4. Der verlassene Vater
  5. Die Urkraft
  6. Der Brunnen der Weisheit

10.1.      Pforte des Schauens.

  1. Goldenes Haar
  2. Der Garten
  3. Königskinder

13.1.     Die Pforte des Gartens

13.2.    Die Pforte des Ausdehnens

  1. Der Kampf beginnt

14.1     Die Pforte der Dankbarkeit

  1. Die Ernte
  2. Erlösung

16.1.     Die Pforte des Brautgemaches

  1. Das Gold in der Tiefe

 

 

 

Vorwort

Viele Menschen geben sich nur mit einem kleinen Teil dessen zufrieden was das Leben eigentlich bieten könnte. Vielleicht  haben sie als Kind gelernt, sich für eine bestimmte Überlebensstrategie zu entscheiden. Das bedeutete nicht nur den Gedanken zu akzeptieren, dass sie auf der Hut sein müssen. Es bedeutete auch sich schon früh für ein bestimmtes Verhalten zu entscheiden, das sie oft mit kleinen Anpassungen ihr Leben lang aufrechterhalten, obwohl es unendlich viele andere Möglichkeiten des Denkens und Handelns geben würde.

 

Viele Menschen laufen mit einem veralteten Software-Programm herum und bekommen nicht viel davon mit, was um sie herum eigentlich passiert. Diese Software haben sie von den Eltern, den Ahnen und dem gesamten Familiensystem übernommen. Manche Grund-überzeugungen können über Jahrhunderte von Generation zu Generation weitergetragen werden. Sie brauchen nicht einmal aus-gesprochen zu werden. Aber die Gestik, die Stimme und das häufige Seufzen einer Mutter, die das Leben für schlimm und ungerecht hält, kann die Kinder das gleiche lehren. Aber eigentlich ist jeder Moment neu. Jeder Atemzug ist eine Wiederverbindung mit dem gesamten Kosmos. Die Welt die die Menschen täglich erfahren ist dagegen ein Beweis dafür, dass sie sich für nur einen kleinen Ausschnitt des Ganzen entschieden haben.

Diese Welt scheint aus getrennten Objekten zu bestehen, die kaum miteinander in Verbindung stehen. In Wahrheit steht jedoch alles miteinander in vollkommener Verbindung. Es gibt auch keine feste Materie, so wie sie wahrgenommen wird. Was die Physik stattdessen gefunden hat sind Ladungsträger aus reiner Energie, die in einem bestimmten Muster miteinander schwingen. Die Leere ist in jedem Atomgitter, die als Materie wahrgenommen wird, gegenwärtig. Der Unterschied zwischen dem Vakuum und der Materie ist viel geringer als oft angenommen. Die weiten leeren Räume, die zwischen der Sonne und den Planeten in unserem Sonnensystem bestehen, existieren so auch in jedem Atom. Das heißt, dass jeder Stein aus dieser Leere besteht und auch die Menschen.

Warum erleben wir nun nicht alles in der Form von Schwingungen, so wie es Schamanen in Trance erleben können oder Leute die mit Hilfe von Drogen einen anderen Bewusstseins-zustand erreichen? Warum leben wir in einer gefrorenen Welt, in der wir die Beziehung zwischen den Dingen nicht erkennen können? Hat Gott uns das angetan, als er unsere Vorfahren aus dem Paradies herausgeworfen hat? So wurde es uns lange gelehrt. Heute glauben wir nicht mehr an einen solchen Gott und haben das Kind oft mit dem Bade ausgeschüttet, in dem wir an gar nichts mehr glauben. Wenn es keinen rachsüchtigen Gott geben kann, dann gibt es wohl auch keinen liebenden Gott, das ist die unausgesprochene Annahme von vielen.

Es gibt aber eine überraschende Antwort auf die Frage, warum wir hier sind, die Gott vollkommen aus dem Spiel lässt: Wir sind hier, weil wir es so gewollt haben. Wir haben uns dafür entschieden isoliert zu sein, weil wir glaubten, darin bestehe unsere Unabhängigkeit. Diese Welt wird im Eisenhans als der verbotene Wald beschrieben. Wir sind von Dingen umgeben, die uns das Geheimnis des Universums offenbaren könnten, wenn wir sie doch nur mit vollkommen offenem Geist und unschuldigen Augen betrachten könnten. Wir haben unseren Geist stattdessen aber auf Auto-Pilot gestellt und ihm erlaubt, uns zu sagen, was die Dinge die uns umgeben bedeuten, anstatt still zu sein und selbst zu schauen und es den Dingen zu erlauben zu uns zu sprechen.

Wir lassen uns immer neue Beschäftigungen einfallen, nur weil wir tief in uns Angst davor haben, von der Wahrheit eingeholt zu werden und zurückzukehren zum lebendigen Kosmos. Wir wissen, wenn wir es lernen könnten, uns für einen Moment total zu entspannen, würde uns eine umfassende Wahrheit dämmern, eine Wahrheit in der es keine Probleme gibt. Carlos und Maria Magdalena stehen für Kräfte und Personen, die mir eine andere Welt gezeigt haben, einfach in dem sie mich lehrten eine alte Geschichte auf neue Weise zu lesen und durch sieben Pforten der Erfahrung zu schreiten. Mögen viele Leser hierin die Inspiration erfahren, die Welt und sich selbst auf neue Art und Weise zu sehen.

 

  1. Das Treffen

Eines Tages im Herbst lernte Bernhard in einem Café am Potsdamer Platz in Berlin einen seltsamen Mann kennen. Er sprach ihn an, als er ein Buch über den Eisenhans las. Bernhard liebte das Lesen und hatte schon ganze Bibliotheken von Büchern über den heiligen Gral, Märchen und Naturvölker verschlungen. Statt eines wirklichen Verständnisses von den inneren Geheimnissen des Lebens zu gewinnen hatte er nur eine große Anzahl von unverbundenen  Informationen in seinem Geist angehäuft. Das sollte sich an diesem Tag ändern. Warum ihn dieser Mann fand, wusste Bernhard nicht. Er besaß keine besonderen Qualitäten und war gewiss weit weniger liebevoll als eine durchschnittliche Mutter, die ihr Kind nach der Arbeit nach Hause brachte. Aber vielleicht erreichte ihn gerade deswegen der Ruf aus einer Vergangenheit, die für immer verloren gewesen zu sein schien, weil er so verloren war.

„Der Eisenhans ist kein gewöhnliches Märchen.“ Sagte der Fremde. Bernhard sah ihn erstaunt an. Es gab genügend Verrückte in  Berlin um sich nicht über ein solches Verhalten zu wundern. Er war vielleicht sechzig und trug einem dichten Bart, der einmal schwarz gewesen und dessen untere Hälfte jetzt weiß geworden war. Er trug einen schwarzen Trenchcoat, einen schwarzen Hut, den er zögernd abnahm und hatte dunkelbraune Augen die unter den buschigen dunklen Augenbrauen hervorleuchteten.

„Ich bin übrigens Carlos.“

„Bernhard.“ Sie nickten sich zu.

„So was ist es denn, wenn kein Märchen?“ fragte er nach.

„Ein gnostisches Märchen, geschrieben um die Erinnerung an bestimmte Schritte zu bewahren, die wir tun müssen, wenn wir die Sophia erreichen wollen.“

Der Mann zog einen Stuhl zurück und setzte sich an meinen Tisch.

„Die Sophia?“ Er nickte.

„Die Erleuchtung oder die Erkenntnis. So wie meine Vorfahren sie genannt haben.“

„Wie das? Haben nicht die Brüder Grimm diese Geschichte aufgeschrieben?“ Er lächelte.

„Sie haben sie veröffentlicht. Aber wer hat sie zuerst entworfen? Waren sie die ersten, die das getan haben? Wer die Symbole der Gnosis versteht, kann aus diesem Märchen viel mehr herauslesen als unbedarfte Eltern, die es ihrem Kind vorlesen.“ Bernhard blickte nachdenklich auf sein Buch. Dann hob er den Blick und sah den Mann genau an. Er hielt seinem Blick stand.

„Ok. Ich höre ihnen gerne zu.“

Der Mann nickte und legte seine großen verarbeiteten Hände auf den Tisch und sah sie an, als erinnere er sich an all die Mühen bei der Arbeit, die er nun vielleicht für immer hinter sich gelassen hatte.

„Das will ich gerne tun. Heute sind unsere Lehren nicht mehr so geheim wie noch vor fünfzig Jahren. Wir haben den Vorhang ein wenig gelüftet, so dass das Glitzern von innen nach außen dringen kann, um bestimmte Sucher neugierig zu machen. Zuerst musst du wissen, dass die Gnostiker nach Erleuchtung gestrebt haben. Und sie haben ihre Lehren in symbolischer Form niedergeschrieben. Dieses Märchen ist ein gutes Beispiel dafür. Es ist ziemlich ausgefeilt, aber das sieht man erst auf den zweiten Blick. Zuerst scheint es ein ganz normales Märchen zu sein, mit der naiven Botschaft, dass alles letztendlich gut ausgeht. Aber eine solche Geschichte kann wunderbar als eine Art Versteck verwendet werden, in das man Dinge legen kann, die man bewahren will. Wenn du willst, zeige ich dir die Bedeutung, die wir in der Geschichte zu erkennen glauben. Aber das muss erst Mal zwischen uns bleiben. Es ist noch immer eine vertrauliche Information.“ Sein Blick durchbohrte Bernhard auf eine Weise, dass ihm ein Schauer über den Rücken lief.

„Moment,“ sagte er. „Wieso sollten sie einem völlig Fremden ein altes Geheimnis anvertrauen. Da macht doch keinen Sinn.“ Carlos lächelte ernst.

„Es macht keinen Sinn, das stimmt. Außerdem gibt es heute kaum noch Geheimnisse, heute,  im Zeitalter der Information. Ich bitte, dich nicht wirklich, die Information geheim zu halten. Aber achte sie als eine Möglichkeit die Welt zu betrachten, die zuerst einmal nur für dich ist. Ich vertraue sie dir an, weil die Stimme mich darum gebeten hat. Du wirst Teil einer langen Linie von Übermittlern sein, hat sie gesagt. Aber die Sache ist nicht ganz ungefährlich, muss ich ehrlicherweise hinzufügen.“

Bernhard war überrascht. Es gruselte ihn ein wenig. Er wurde hier in eine andere Welt eingeladen, die vielleicht voller Gefahren war oder voller Wahnsinn. Sollte er nicht doch lieber aufstehen und fortgehen?

„Wieso soll das nicht ungefährlich sein?“ fragte er mit kratziger Stimme. Carlos spähte ein bisschen im Café herum, wie ein Mann, der schon lange im Untergrund gelebt hatte und es gewohnt war, die Umgebung nach Gefahren zu scannen.

„Ich habe das dumme Gefühl, dass mir jemand auf den Fersen ist. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber man kann ja nie wissen. Vielleicht würden uns ein paar Leute ganz gern tot sehen, für immer verschlungen von der Geschichte. Aber denk jetzt nicht daran. Denk lieber an die einmalige Change, die du gerade erhältst. Das passiert nicht in jeder Lebenszeit.“ Bernhard nickte mit klopfendem Herzen und entschied sich, Carlos nicht fortzustoßen, so verrückt die Sache auch klang. Es fühlte sich einfach wahr an, was er sagte, obwohl er ihn damit in eine Welt des Wahnsinns ziehen würde, von der es vielleicht kein Entkommen gab. Er ahnte, dass sich bald vieles ändern würde in seinem Leben, entweder zum Guten oder zum Schlechten. Aber da sein Leben ihm irgendwie langweilig und inhaltslos vorkam, hatte er nicht viel gegen das Wagnis einer Veränderung einzuwenden.

Sie verabredeten sich in einer Kneipe in Friedrichshain eine Woche später.

Währenddessen las er das Märchen so aufmerksam wie möglich durch. Er fand, dass es ein interessantes Märchen war. Es war eine Geschichte von Wildheit und Kraft und dem endgültigen Sieg über alle Kräfte, die der Liebe entgegenstanden. Dann gab Carlos ihm die Erklärungen, die seine Sicht auf die Wirklichkeit verändern würden.

(…)