Das sechste Massensterben: Eine Studie hat das massenhafte Aussterben der Tiere untersucht und ein Zeitfenster für den totalen Kollaps bestimmt.

Das sechste Massensterben

Ohne das Wissen der meisten Menschen hat die Apokalypse bereits begonnen. Doch diesmal sind es nicht Vulkane, Erbeben oder Meteoriten, die für das Aussterben großer Teile des Lebens auf der Erde sorgen werden, sondern eine einzelne Spezies: der Mensch.

Tierart um Tierart verschwindet, für immer. Es ist nicht das erste Mal: Bereits fünf Mal wurde das Leben auf der Erde beinahe ausgelöscht, bevor es sich über Millionen von Jahren neu entwickelte. Wohl jedem bekannt, ist das letzte große Sterben: Das Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren – das fünfte große Sterben auf dieser Erde.

Nun hat das sechste begonnen. Und die Tiere sterben schneller aus, als vielleicht jemals zuvor der 4,5 Milliarden Jahre langen Geschichte der Erde. Eine Tatsache, deren wahres Ausmaß sich die meisten Menschen zu begreifen weigern. Vielleicht können wir es auch gar nicht wirklich begreifen. Das sechste Massensterben hat begonnen und gemessen an der Gleichgültigkeit der Menschen gegenüber diesem Fakt, scheint es kaum mehr aufzuhalten.

Das Aussterben der Tiere – Wie lange noch?

Die 6 Massensterben

1. Massensterben (vor 440 Millionen Jahren)
Grund: Klimawandel
Aussterberate: 25% aller Arten-Familien
(Eine Arten-Familie kann Tausende Spezies umfassen)

2. Massensterben (vor 370 Millionen Jahren)
Grund: vermutlich Klimawandel
Aussterberate: 19% aller Arten-Familien

3. Massensterben (vor 245 Millionen Jahren)
Grund: Klimawandel und/oder Einschlag eines Boliden
Aussterberate: 54% aller Arten-Familien (90% aller Spezies)

4. Massensterben (vor 210 Millionen Jahren)
Grund: unklar
Aussterberate: 23% aller Arten-Familien

5. Massensterben (vor 65 Millionen Jahren)
Grund: vermutlich Komet und/oder Vulkan
Aussterberate: 17% aller Arten-Familien

6. Massensterben(gerade jetzt)
Grund: Naturzerstörung
Aussterberate: ???

Dass das sechste Massensterben begonnen hat, vermuten Forscher schon seit Jahren. Doch ob es sich nur um eine große Krise der Biosphäre handelt, oder ein wirkliches Massensterben, war bisher jedoch so umstritten, wie die Frage, wie weit es schon fortgeschritten ist – und wie viel Zeit noch bleibt. Eine neue Studie hat dies nun untersucht.

Das Aussterben einer Tierart zu beweisen, ist nicht einfach – besonders im Bereich der Kleinstlebewesen und Meeresbewohner wissen wir fast nichts. Selbst an Land dauert es Jahre, bis eine Art halbwegs sicher als ausgestorben angenommen werden kann.

Die aktuelle Studie hat nur die konservativsten Werte genommen, die verfügbar waren und sich nur auf Wirbeltiere konzentriert – und auch nur auf solche, deren Aussterben als gesichert gilt, die Dunkelziffer liegt weit höher. Die Geschwindigkeit des Massensterbens wurde durch einen Vergleich mit dem „Hintergrundsterben“ bestimmt – also der relativ konstanten Rate an natürlicherweise aussterbenden Tierarten. Und auch für dieses Hintergrundsterben wurde ein zweimal höherer Wert gewählt als von bisherigen Studien zum Thema, um die Ergebnisse nochmals so konservativ wie möglich zu halten und jeder Kritik von Panikmache von vornherein den Luft aus den Segeln zu nehmen.

Klimawandel, Versauerung der Ozeane – all diese Faktoren hat die Studie nicht mal mit eingerechnet, sondern nur mit gegenwärtigen Fakten gerechnet. Das Ergebnis ist selbst mit dieser mutwilligen „Schönrechnung“ noch erschreckend: Das Sterben ist, je nach Gattung, zum Teil um den Faktor 100 beschleunigt. Wenn der momentane Trend der Beschleunigung anhält, bleiben bis zu einem Zusammenbrechen der Tierwelt wie zur Zeit der Dinosaurier vielleicht nur noch rund 200 Jahre – drei Menschenleben.

Gier

Nicht nur die Geschwindigkeit, auch die Ursache des Sterbens ist einmalig in der Geschichte dieses Planeten. Zum ersten mal sind es nicht äußere Einflüsse wie Meteoriten oder Vulkane, die verantwortlich sind für die Zerstörung des Lebens auf diesem Planeten, sondern eine einzelne Spezies: Der Mensch.

Und es ist nicht der Klimawandel, wie viele vielleicht vermuten könnten – dieser ist, wenn existent, noch viel zu wenig ausgeprägt, um einen solchen Effekt hervorrufen zu können. Es ist die Gier.

Das Landlebewesen Mensch hat es geschafft, nicht nur an Land, sondern auch in Luft und Wasser das größte aller Raubtiere zu werden. Er hat es geschafft, ein ganzes Ökosystem zu zerstören. Weil er Fleisch essen will.

Es sind nicht die Fabriken, nicht die Ölfelder, nicht mal die Umweltverschmutzung, sondern vor allem anderen ist es der Fleischkonsum, der sich für diese Krise hauptverantwortlich zeigt. Es ist die industrielle Landwirtschaft, die großflächig Lebensräume zerstört, Böden auslaugt, Wildleben verdrängt. Eine Landwirtschaft, deren Erzeugnisse zum überwiegenden Teil an Tiere verfüttert wird, Tiere, die der Mensch in riesigen Fabriken züchtet, tötet und aufisst. Tonnenweise, Millionen über Millionen von Tierkörpern, die der Mensch in sich hineinmampft.

Nimmt man die Masse aller an Land lebenden Wirbeltiere auf diesem Planeten zusammen, so machen die Menschen mittlerweile ein Drittel von ihnen aus, und seine hochgezüchteten Futtertiere – die Kühe, Schweine, Schafe, Hühner – fast die gesamten anderen zwei Drittel. Weniger als fünf Prozent entfällt auf freie Wildtiere, auf Rehe, Elefanten, Bären, Giraffen, Hasen, Kamele, Känguruhs – sie sind nur noch eine Randerscheinung. Der Mensch hat den Planeten und seine Bewohner industrialisiert.

Die bittere Wahrheit

All das mag düster klingen, bitter – aber es ist die Wahrheit, eine Wahrheit, welche viele Menschen noch immer erfolgreich verdrängen. Wie auch immer sie das schaffen.

Und während eine weitere Tierart diesen Planeten für immer verlässt, frisst sich der Mensch weiter durch diesen Planten, schlägt seine Zähne in die Regenwälder, saugt die Rohstoffe aus den Böden, frisst die Ozeane leer, zermalmt den reichen Boden der Erde zu Agrar-Sand, um seine gentechnisch veränderten Samen darin zu versenken. Und verschließt seine Augen in süßer Ignoranz.

Wird es noch ein Erwachen geben? Welche Nachricht könnte den Menschen aufschrecken aus seiner Trance? Die indigenen Völker, die Aktivisten, die Wissenschaftler – sie rufen vergeblich an gegen das Störgeräusch einer Zivilisation auf dem Egotrip, sie dringen nicht durch das Rauschen der Alltags-Illusion, werden verschluckt im samtenen Vorhang völliger Realitätsverleugnung.

Was könnte hindurchdringen durch diese Firewall der Ignoranz? Eine Schreckensnachricht wohl jedenfalls nicht mehr, denn viel Schlimmer können die Nachrichten kaum noch werden. Es bleibt kaum mehr als die irrationale Hoffnung, dass es noch reicht, das genug Leute aufwachen und umkehren, um die Hypnose einer ganzen Zivilisation zu durchbrechen.

ÜBER DEN AUTOR

https://www.sein.de/das-sechste-massensterben-die-erde-steht-vor-dem-kollaps-der-tierwelt/

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