1. Wunder – Geschichten und Erlebnisse

Was bedeuten Wunder nun für unser Leben? Vielleicht können Geschichten dies am besten beschreiben. Diese Geschichten mögen zum Teil unglaubwürdig klingen, aber sie stammen von Leuten, denen ich vertraue.

Ein Voraus-Traum

Meine Großmutter träumte 1946 eines Tages davon, auf dem Innenhof des Bauernhofes ihrer Schwester mit dem Pferdewagen herumzufahren. In ihrem Traum wusste sie, dass ihr eigenes Haus zu diesem Zeitpunkt abgebrannt war. Der Rest der Familie spottete nur darüber. Dann brannte das Haus tatsächlich am Heilig Abend 1946 ab. Das war ein schrecklicher Zeitpunkt. Die Russen hatten das Land besetzt, alles war knapp, vieles zerstört und Großmutter war Witwe mit drei Kindern. Während das Haus brannte, kamen die Männer des Dorfes herbeigerannt und schaufelten die Kornernte des Jahres von dem brennenden Obergeschoss des reetgedeckten Hallenhauses auf den Innenhof. Sie retteten die Ernte des ganzen Jahres und das war das, was wir in im Kurs ein Wunder nennen. Für den Rest des Jahres aßen meine Großmutter und ihre Kinder steiniges, nach Rauch schmeckendes Brot, und fügten ihren Zähnen damit einige Schäden zu, aber sie hatten zu essen. Sie fand dann einen neuen Mann und baute das Haus wieder auf, das noch heute steht. Das Wunder war die Tatsache, dass sie bewahrt wurde, selbst in ihrem dunkelsten Moment. Ich stand als Kind immer auf der Seite meiner Großmütter, die Cousinen waren, die mir diese oder ähnliche Geschichten erzählten, denn ich glaubte an das Wunderbare. Die triste materielle Welt der 70ger Jahre in Ostdeutschland, die die anderen als alternativlos hingenommen hatten, erschien mir langweilig und bedeutungslos.

Erst später erkannte ich, dass Wunder ein vollkommen anderes Denken verlangen. Wunder treten nur auf, wenn wir wundergesinnt sind oder wenn wir vom Leben so in die Enge getrieben worden sind, dass wir unsere Kontrolle aufgeben müssen. Wer will das schon? Ein Mensch zu sein, heißt doch Kontrolle über das eigene Leben zu haben und diese bis zum Tode eifersüchtig zu verteidigen, bis Gott oder das Nichts sie einem wieder entreißt. Kontrolle wird als Leben, Kontrollverlust als Tod verstanden. Der Kurs sieht dies umgekehrt. Für ihn leben wir in einer Welt des Todes, inmitten eines lebendigen Universums, wo alle Dinge der vollkommenen Kontrolle Gottes und daher der Liebe unterstehen. Da die Identität Gottes seine ganze Schöpfung mit einschließt, heißt Gott erkennen, seinen eigenen Willen zu erkennen. Das, was der Kurs unter Wahrheit versteht, ist anders als wir dachten.

 

 

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